KURT PÄTZOLD/ERIKA SCHWARZ (Hg.): Europa vor dem Abgrund. Das Jahr 1935. PapyRossa Verlag, Köln 2005, Hochschulschriften 57, 375 Seiten.

Vierundzwanzig Historiker, Germanisten, Slawisten, Philosophen, Theologen, Pädagogen und Psychologen - mehr als die Hälfte von ihnen Professoren und Dozenten - aus Berlin, Fox Lake Court (USA), Graal-Müritz, Jena, Leipzig, Marburg, Poppenhausen, Potsdam, Völklingen und Weimar haben dem Historiker Prof. Dr. Manfred Weißbecker (Jena) zum 70. Geburtstag ein Buch gewidmet.
Es bezieht sich auf das Jahr 1935 als eines Schicksalsjahres für Europa und die Welt, eines Jahres, in dem noch eine Chance bestand, den Weg in den Krieg, den das faschistische Deutschland vorbereitete, zu verbarrikadieren bzw. in dem die Weichen für den Zweiten Weltkrieg gestellt wurden.
Die Autoren weisen nach, warum das Jahr 1935 in dieser Hinsicht ein wesentliches Jahr war, wesentlicher als das im allgemeinen für entscheidend gehaltene Jahr 1939. Am Beispiel des Jahres 1935 untersuchen alle Autoren die Tatsache: "Häufig lässt Clio den Menschen nur eine Chance. Bleibt diese unerkannt oder wird sie verschmäht und vertan, führt der Weg an keiner Reparaturstation mehr vorbei." (S.8) Das Buch stellt die Rückbesinnung auf das Exempel des Jahres 1935 zugleich als eine wichtige Mahnung in der Gegenwart der ersten Jahre eines neuen Jahrtausends dar.
Den Herausgebern ist es gelungen - nicht zuletzt durch das Vorwort sowie den einleitenden Beitrag von Kurt Pätzold "Eine vertane Chance?" ,in dem er die Spannung für das ganze Buch aufbaut - alle 22 Beiträge des Buches zu einer geschlossenen Beantwortung der gemeinsamen Frage nach dem Jahre 1935 als "einem gefährlichen Wendepunkt der Geschichte" (Romain Rolland 1935),( S.9) zusammenzuführen. Dabei nähern sich die Autoren interessanterweise dem Thema von drei Seiten her: von der Untersuchung der internationalen Politik, Ereignissen in Deutschland und Deutschland vom Exil aus betrachtet. Von daher analysieren sie die Motive und Interessen, welche sich gegen andere durchsetzten und bewirkten, dass die Chance der Kriegsabwendung. nicht wahrgenommen wurde.

Das erste Kapitel trägt die Überschrift "Abschreckung und Appeasement?"
Was Kurt Pätzold im vorangestellten Beitrag in der Gesamtschau betrachtet und auf seine Chancenhaftigkeit, auf die 1935 im Gegensatz zu 1939 bestehenden Alternativen, auf die Serie von Entwicklungen hin zum Krieg untersucht hat, wird jetzt in diesem Kapitel im Hinblick auf die einzelnen großen politisch handelnden europäischen Mächte und die USA sowie ihre Beziehungen dargestellt. Es wird ausgeführt, welche politischen Kräfte wie auf die von Deutschland ausgehende Kriegsgefahr reagierten und welche sich durchsetzten. Dabei war das Jahr 1935 die Wegscheide, an der die Weichenstellung in einem Netzwerk von einzelnen zwischenstaatlichen Verträgen, diplomatischen und wirtschaftlichen Reaktionen auf aggressive politische, kriegerische und wirtschaftliche Vorstöße der faschistischen Mächte deutlich wurde.

Günter Rosenfeld untersucht: "UdSSR und Frankreich: Die unvollkommene Sicherheit".
Dabei konstatiert er eine sich in den Jahren 1933 bis 1935 rasch verdichtende Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und Frankreich auf politischem, militärischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet. Im Mittelpunkt seines Beitrages stehen der von der UdSSR und Frankreich in die politische Diskussion der europäischen Mächte eingebrachte Plan für ein kollektives Sicherheitssystem, um einen "Ostpakt" und die in diesen Jahren darum geführten Verhandlungen, die schließlich 1935 nur zu Beistandsverträgen zwischen der UdSSR und Frankreich sowie zwischen der UdSSR und der Tschechoslowakei führten. Beides waren zwar Beiträge zur Friedenssicherung, aber die Sicherheit blieb im Gegensatz zum ursprünglich Angedachtem unvollkommen.

Siegfried Bünger behandelt " Großbritannien: Konturen der Deutschlandpolitik".
Er stellt dar, wie die Appeasementpolitik Großbritanniens, die substantielle Zugeständnisse an Hitlerdeutschland und die anderen aggressiven Staaten beinhaltete, im Jahre 1935 deutliche Konturen annahm, einen ersten Höhepunkt erreichte und sich als politische Linie für die folgenden Jahre durchsetzte. Bereits Ende 1935, Anfang 1936 zeigte sich, dass diese Politik der Hinnahme und Begünstigung von aggressiven Maßnahmen Italien und Deutschland in ihren aggressiven Maßnahmen nicht hemmte und begrenzte, sondern zu neuen Aktionen bestärkte,

"Italien: Überfall auf Äthiopien" wird von Gerhard Feldbauer dargestellt.
Mit der Beschreibung dieses 1935 begonnenen Krieges (seiner Vorgeschichte, Ziele, seiner barbarischen Durchführung und seiner Ergebnisse sowie der Reaktionen Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, der UdSSR und der verschiedenen Kräfte im Innern Italiens darauf) wendet sich der Autor einem Markstein auf dem Weg zum Münchener Abkommen und in den Zweiten Weltkrieg zu.

Robert G. Waite hat "USA: Deutschland im öffentlichen Bewusstsein" zum Thema.
Er beschreibt, wie sich im Jahre 1935 eine Wende in der US-amerikanischen Außenpolitik, insbesondere hinsichtlich der Beziehungen zu Europa und NS-Deutschland vollzog und sich für die nächsten Jahre entgegen der Intensionen des Präsidenten Roosevelt zu einer aktiven amerikanischen Friedenspolitik in den USA eine von passiver Neutralität gegenüber den europäischen Ländern geprägte Außenpolitik durchsetzte.

Mit der "Tschechoslowakei: Die Sudetendeutsche Partei auf dem Vormarsch" beschäftigt sich Eckart Melis.
Er erläutert, wie, warum und mit welchen Auswirkungen im Mai 1935 in der Tschechoslowakei überraschend die neue Sudetendeutsche Partei unter Führung Henleins zur stärksten Partei der CSR gewählt worden war. Insbesondere die Tatsache, dass Henlein als Vertreter des "Deutschtums" in der CSR folgenschwere Wirkungsmöglichkeiten, insbesondere in Großbritannien, gewinnen konnte, wertet der Autor als gewichtigen Beitrag auf dem Weg zum Münchener Diktat von 1938.

Und schließlich untersucht Martin Seckendorf "Südosteuropa: Zielgebiet deutscher Okkupation".
Hier stellt er dar, dass die südosteuropäischen Länder Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien und Griechenland – schon seit Ende des 19.Jahrhunderts ein deutsches Expansionsziel – nun mit einer seit Beginn der 30-er Jahre neu konzipierten groß angelegten Wirtschaftsstrategie als komplexen System mit bilateralen "Verträgen besonderer Art" in nur eineinhalb Jahren bis 1935 wirtschaftlich an Deutschland gebunden werden konnten und dies 1935 erste politische Folgen einer Umorientierung - von einer Bindung an Frankreich zu einer an Deutschland - zeitigte.

Im zweiten Kapitel konzentrieren sich die Autoren auf "Deutschland von innen: Momentaufnahmen".
Bereits im Vorwort (S.10) verweist Kurt Pätzold darauf, dass das "Vorgehen (der Autoren) mit ‚doppelter Perspektive’ (Ringen widerstreitender Kräfte um eine Antwort auf die deutsche Bedrohung des Friedens) sich nicht auf die innerdeutsche Sicht richten (kann). Dazu fehlt ihr das Material." Da im Deutschen Reich keine Kräfte mehr vorhanden waren, die um eine Verhinderung des angestrebten Krieges kämpften, das Regime 1935 gefestigt war und nur verstreute und gejagte Gruppen und Grüppchen ihm widerstanden, beleuchten in diesem Kapitel "Momentaufnahmen" individuelle Situations- und Verfolgungserfahrungen sowie Verhaltensweisen.

Kurt Gossweiler offeriert eigene Erinnerungen "Berlin: Die ersten drei Jahre."
Er reflektiert, wie er in einem kommunistischen Eltern- und Schulumfeld und als Mitglied einer kommunistischen Jugendorganisation die Jahre 1933 bis 1935 erlebte, wie er und seine Beziehungspersonen zunächst nicht daran glaubten, dass das NS-Regime von längerer Dauer sein könnte, dann aber seine Festigung erlebte, wie Freunde und Bekannte festgenommen wurden, jüdische Lehrer und Mitschüler aus der Schule und dem Land gedrängt wurden und das Verständnis für die sowjetische Außenpolitik sich entwickelte.

Mit der "Entscheidung an der Saar" beschäftigt sich Luitwin Bies.
In den Mittelpunkt seines Beitrages hat er die Frage gestellt, warum es an der Saar 1935 zu einer Fehlentscheidung für Nazideutschland und einem nationalen Taumel, der sich gegen die antifaschistischen Kräfte richtete, kommen konnte und welche Fluchtbewegung nach Frankreich dieses Abstimmungsergebnis auslöste.

Willy Schilling und Rüdiger Stutz stellen dar: "NS-Gau Thüringen: Der Sauckel-Wächtler-Konflikt".
Am Beispiel des Machtkampfes von NSDAP-Funktionären um Regierungspositionen zeigen die Autoren auf, wie sich auf der horizontalen Ebene des NS-Regimes in Thüringen bis 1935 ein "Geflecht personalistischer Herrschaftsbeziehungen" herausbildete, welches ein Klima beförderte, " das dem sprunghaften und menschenverachtenden Aktionismus des Gauleiters (Sauckel) Tür und Tor öffnete" (S.174). Sie verweisen darauf, dass sich damit "hier schon ‚das Grundkonzept einer politischen Verwaltung’ (abzeichnete), das… erst in der grausigen Germanisierungs- und Okkupationspolitik der Jahre ab 1938/39 vollends durchgesetzt werden konnte." (S.173)

Geschehnisse in "Apolda: Naziführer, Öffentlichkeit und Geistlichkeit und ihr Zusammenspiel" werden von Peter Franz vorgestellt.
Er führt vor, wie die alten Eliten der Stadt ihren Frieden mit dem NS-Regime machten und erklärt das damit, dass sich bereits in den ausgehenden zwanziger Jahren in Kirchen, Schulen, Berufsverbänden und Vereinen "ein Amalgam aus christlicher Überlieferung, völkischem Fühlen und vaterländisch-militärischer Pflichtauffassung gebildet (hatte), das sich mühelos mit dem Rassismus, Chauvinismus und Imperialismus der Faschisten verbinden konnte." "Diese Mischung macht es erklärbar", resümiert Peter Franz, " dass … bis fünf nach zwölf ein unmenschliches System sich behaupten, unterstützt und auch erduldet werden konnte." (S.187)

Einem Ereignis in "Golzow :’Rassenschande’ – Denunzianten, Richter, Opfer" wendet sich Almuth Püschel zu.
Sie rekonstruiert aus Prozeßakten das Lebensdrama eines Paares mittleren Alters im Ort Golzow in Brandenburg, welches von Ortsbewohnern bespitzelt und denunziert 1935 wegen seiner Liebesbeziehungen juristisch verfolgt wurde, was zur Zerstörung ihrer beider Leben sowie das ihrer Familien führte.

Gerd Kaiser stellt vor "Aus dem Wald in die Welt: Hermann Dietz im europäischen Widerstand".
Hier wird das – bisher noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitete und dokumentierte - Schicksal eines Facharbeiters und Funktionärs der KPD aus Suhl geschildert, den es 1935 in die Emigration trieb, der in Thüringen und Norwegen am antifaschistischen Widerstandskampf teilnahm und 1946 in seine Heimat zurückkehrte.

"Zwischen Gefängnis und Zuchthaus. Der Alltag des Alwin Eckert" wird von Friedrich-Martin Balzer dargestellt.
Alwin Eckert war ein 1931 wegen seines Beitrittes zur KPD aus der badischen Landeskirche entlassener evangelischer Stadtpfarrer, der am 30.Januar 1933 Flugblätter verteilte, "innerlich bereit, not- und gegebenenfalls mit der Waffe in der Hand, die ’Wende’ zum Faschismus aufzuhalten und zu verhindern." (S.217) Er gehörte am 1. März 1933 zu den ersten in "Schutzhaft" genommenen über 10.000 Funktionären und Mitgliedern der KPD und SPD in Düsseldorf. Ohne die Verbindung zum antifaschistischen Widerstandskampf je aufzugeben baute er sich und seiner Familie nach seiner Entlassung Ende 1933 bis 1935 eine neue bescheidene Existenz auf, um 1936 wieder verhaftet und verurteilt zu werden. Der Beitrag basiert auf den Briefen an seine Frau aus dem Jahre 1935.

Werner Bramke zeigt "Goerdelers Weg in den Widerstand" auf.
Bramke begründet seine These, dass Goerdeler bis 1935 partiell mit dem NS-Regime übereinstimmte, sich aber in diesem Jahr loslöste und begann, aktiv für den Aufbau einer Widerstandsfront der national- konservativen Eliten zu arbeiten.

"Rhöndorf: Rückzug und Resignation Konrad Adenauers" lautet eine Untersuchung von Ludwig Elm.
Der Autor beschäftigt sich mit einem vom langjährigen Bundeskanzler der jungen BRD selbst in seinen Erinnerungen sowie in der offiziellen Geschichtsschreibung bisher vernachlässigtem Lebensabschnitt Adenauers in den Jahren 1933 bis 1945. Der Zentrumspolitiker Adenauer hatte den europäischen Diktatoren sowie Diktaturplänen mit der NSDAP positiv gegenübergestanden, war aber in den Wahlkämpfen von Februar/März 1933 als Zentrumspolitiker und Staatspräsident gegen die Nazis aufgetreten. So wurde er von den Nazis angefeindet und aus seinem Amte als Oberbürgermeister von Köln vertrieben. Im Jahre 1935 war er bereit zu Widerruf, Rückzug ins Private und persönlichem Arrangement mit den in der NS-Diktatur entstandenen Verhältnissen. Er versagte in den Folgejahren all denen Zustimmung und Unterstützung, die gegen die NS-Diktatur wirkten.

Armin Jähne stellt vor: "Eine frühe Vorhersage über das Scheitern der deutschen Luftwaffe".
Vorgestellt wird hier ein sowjetisches Buch vom Sommer 1935 über die deutsche Luftwaffe, welches exakt die Schwierigkeiten benennt, an denen diese im zweiten Weltkrieg scheiterte.

Das dritte Kapitel trägt den Titel: Deutschland von außen: Geist und Tat".
Hier werden Versuche im Exil lebender deutscher sowie europäischer Intellektueller dargestellt, im antifaschistischen Sinne Einfluß zu nehmen, den Charakter der Naziregierung aufzuzeigen sowie auf die von diesem ausgehende Kriegsgefahr hinzuweisen, sich zusammenzuschließen, um noch wirkungsvoller die Bevölkerung Europas aufzurütteln, ihr Gewicht gegen die Gefahren in die Waagschale zu werfen.

Werner Röhr beschäftigt sich mit Auseinandersetzungen "Um das Faschismusbild. Hans Günthers Kritik an Heinrich Mann".
Seit 1933 hatte Heinrich Mann im französischen Exil antifaschistische Streitschriften verfasst, die aus bekennender Subjektivität die Ansprüche und Praktiken des Naziregimes einer schonungslosen Kritik unterzogen. 1933 bis 1935 wurden diese Schriften in verschiedenen Ländern als Buch "Der Haß" veröffentlicht. Hans Günther wollte den aufrichtigen bürgerlichen Antifaschisten Heinrich Mann durch seine Kritik veranlassen, Unzulänglichkeiten seiner Faschismusauffassung zu überprüfen und zu korrigieren, wodurch er letztendlich Manns Weg in die antifaschistische deutsche Volksfront und an der Seite der Arbeiterklasse beförderte.

In "Kurt Eisners politische Konzeption und das sozialistische Exil um 1935" vergleicht Mario Kessler die 1935 entstandenen Arbeiten von drei Emigranten – dem rechten SPD-Funktionär und langjährigen Chefredakteur des "Vorwärts" Friedrich Stampfer, dem Historiker Arthur Rosenberg, der als KPD-Funktionär bis 1927 ultralinke Positionen vertreten hatte und dem ehemaligen SPD-Reichstagsabgeordneten Wilhelm Hoegner. Jeder der drei Autoren bewertet den ermordeten Ministerpräsidenten der kurzlebigen Republik Bayern anders. Die drei Artikel stehen für die kritische Analyse im sozialdemokratischen und linkssozialistischen Exil um die Frage nach den Ergebnissen der Novemberrevolution, den Defiziten der Weimarer Republik und den Ursachen dafür, warum das NS-Regime nicht verhindert werden konnte.

Dieter Schiller befasst sich mit dem " Kisch-Geburtstag 1935".
Er stellt Gratulationsbriefe und –zeitschriftenartikel deutscher Schriftsteller anlässlich Egon Erwin Kischs fünfzigstem Geburtstag vor. Kisch war in diesem Jahr zu einer Bezugs- und Integrationsfigur für die antifaschistische Sammlung im Zeichen der Einheits- und Volksfront, für ein politisch-literarisches Bündnis der linksbürgerlichen und sozialistischen deutschen Schriftsteller im Exil geworden. Zugleich zeigen diese Beiträge sowohl den Konsens als auch die Divergenzen dieser Schriftsteller.

"Boris Pasternak auf dem Schriftstellerkongreß in Paris" wird von Michael Wegner vorgestellt.
"Die Idee einer antifaschistischen Vereinigung von europäischen Geistesarbeitern hatte Mitte der 30er Jahre viele Anhänger" (S.327]. Der internationale Schriftstellerkongreß wurde für den Juni 1935 nach Paris einberufen. Zu dieser bedeutendsten Begegnung antifaschistischer Intellektueller vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde auch Boris Pasternak eingeladen. Pasternak "hatte keinerlei Zweifel daran, dass der Vormarsch des Faschismus in Europa eine Bedrohung des Friedens bedeutete und man seine Stimme erheben müsse, um vor der Weltöffentlichkeit zu demonstrieren, wo der Platz eines antifaschistischen Dichters ist." (S. 335). Jedoch lehnte er organisatorische Zusammenschlüsse von Schriftstellern ab, obwohl seine aktive Teilnahme am Kongreß objektiv den "Zusammenschluß der besten intellektuellen Kräfte Europas im Kampf gegen Faschismus und Krieg tatkräftig unterstützt". (Ebenda)

Und Helmut Metzler beschreibt "Ein einschneidendes Jahr im Leben des Psychologen Karl Duncker".
Im Jahre 1935 wurde ein hoffnungsvoller junger Wissenschaftler, Karl Duncker, der Sohn der KPD-Funktionäre und Bildungsarbeiter Hermann und Käthe Duncker, von der Berliner Universität und ins Exil vertrieben. Im gleichen Jahr erschien seine von der Universität abgelehnte Habilitationsschrift als Buch. Hier wird nicht nur der tragische Lebensweg eines Wissenschaftlers vorgestellt, sondern auch ein Beispiel dafür, wie durch das NS-Regime Verluste internationaler führender Positionen deutscher Wissenschaftszweige herbeigeführt wurden und der internationalen Wissenschaftsentwicklung geistige Impulse verloren gingen. Der Autor erläutert, dass Duncker in seiner Arbeit der Entwicklung der Wissenschaft um zwanzig Jahre voraus war und seine Arbeitsergebnisse noch im 21. Jahrhundert anregend auf den wissenschaftlichen Diskurs in der Psychologie wirken.

Dem Band angehängt sind eine sechzehnseitige - Ereignisse in- und außerhalb Deutschlands festhaltende -Chronik des Jahres 1935 sowie Personenregister, Abkürzungs- und Autorenverzeichnis.

Sibylle Hinze

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