Martin Moll


Martin Moll/Graz: „Die mörderische Antwort auf eine mörderische Provokation“.
Die österreichische Historiographie zum Kriegsausbruch 1914.
(Ein Vortrag auf dem internationalen Kolloquium am 11.06.2014 zum Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren)


Wer die österreichische, hier verstanden als die von österreichischen Historikern verfasste, nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstandene Geschichtsschreibung zum Kriegsausbruch 1914 durchsieht, wird rasch vier bemerkenswerte Umstände feststellen:1
Erstens, dass die Mehrzahl der maßgeblichen Studien zum Thema nicht von österreichischen, sondern von Historikern aus dem angelsächsischen Sprachraum verfasst wurde. Dies gilt sowohl für Gesamtdarstellungen2 als auch für Spezialuntersuchungen, etwa darüber, was die österreichisch-ungarische Regierung über die serbischen Untergrundorganisationen sowie deren Verbindungen zu amtlichen Stellen in Belgrad wusste3, oder warum die Wiener Regierung nach dem Anschlag auf den Thronfolger in Sarajewo am 28. Juni 1914 so viel Zeit bis zu ihrer Aktion gegen Serbien verstreichen ließ.4
Zweitens und damit korrespondierend: An den internationalen Debatten der Zunft zu diesem Gegenstand (Fischer-Kontroverse u.a.) hat sich die österreichische Historiographie kaum bis gar nicht beteiligt; das folgte vermutlich schon daraus, dass die wenigen einschlägigen Beiträge von Österreichern auf die Politik des eigenen Landes (abgestuft auch auf jene des deutschen Verbündeten) konzentriert waren, sich aber kaum für die europäische Perspektive interessierten. Umgekehrt gilt freilich ebenso, dass Österreich-Ungarn bis vor kurzem in der internationalen Diskussion der Begleitumstände und Ursachen des Kriegsausbruchs bestenfalls eine Nebenrolle spielte.5
Drittens: Wenn man die frühen, auf schmaler Quellenbasis verfassten und häufig apologetischen Beiträge bis in die 1960er Jahre außer Acht lässt, so bemerkt man, wie wenig sich in Österreich hinsichtlich der Bewertung des Kriegsausbruchs während der letzten 20 oder 30 Jahre geändert hat. Die einzige Monographie zu Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg stellt das 1993 erstmals vorgelegte Werk des Militärhistorikers und früheren Leiters des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien, Manfried Rauchensteiner (geboren 1942) dar, von dem 2013 eine wesentlich erweiterte und aktualisierte Neuausgabe erschien. Was der Autor in diesem monumentalen, rund 1.200 Druckseiten starken Buch über die Julikrise zu sagen hat, ist jedoch von Nuancen und stilistischen Änderungen abgesehen unverändert geblieben.6
Viertens fällt auf, in welch hohem Maße die Erörterung der entscheidenden politischen Fragen (etwa jener nach der Kriegsbereitschaft und -entschlossenheit der habsburgischen Führung) durch die Behandlung eher sekundärer Aspekte (wochenlanges Hinausschieben des Ultimatums an Serbien, missglückter Truppenaufmarsch und Ähnliches) überlagert wurde und wird. Damit setzte sich eine bereits in der Zwischenkriegszeit – damals vor allem von den noch lebenden Protagonisten getragene – Debatte nahtlos und mit Großteils denselben Argumenten fort.7
Nach all dem wird nicht überraschen, dass die Zahl jener Historiker (Frauen beteiligten sich nicht), die überhaupt zum Kriegsausbruch mehr als nur en passant Stellung nahmen, überschaubar ist und dass die Teilnehmer am Fachdiskurs – vielleicht damit zusammenhängend – kaum unterschiedliche Ansichten zu den grundlegenden Fragen vertreten. Ich fürchte, dass aus all diesen Gründen meine nachfolgenden Darlegungen weniger spannend ausfallen werden als jene meiner Kollegen zu den übrigen Großmächten.
Als Grundkonsens der neueren österreichischen Forschung wird man konstatieren können, dass zum einen die grimmige Entschlossenheit der Führung der Donaumonarchie zur Auslösung einer kriegerischen Strafexpedition gegen Serbien gleich nach dem Thronfolgermord festgestellt, daneben jedoch betont wird, dass es damit sein Bewenden hätte haben sollen, denn nichts habe der Wiener Führung ferner gelegen als die Auslösung eines großen, europäischen Krieges. Wenngleich die Mehrzahl österreichischer Historiker den deutschen Verbündeten für diese Ausweitung zum Weltkrieg verantwortlich macht, gab es keine nennenswerte österreichische Beteiligung an der Fischer-Kontroverse der 1960er Jahre, obwohl Fritz Fischers Thesen diesem österreichischen Standpunkt durchaus gelegen kommen mussten, denn mit ihrem nahezu ausschließlichen Fokus auf die deutsche Kriegsschuld trugen sie nicht unwesentlich dazu bei, den österreichischen Anteil zu vernebeln.8
Selbst als 1965 der Internationale Historikerkongress in Wien abgehalten wurde und er sich in einem eigenen Panel – von dem Österreicher Hugo Hantsch (1895-1972) geleitet – mit politischen Fragen des Ersten Weltkriegs beschäftigte, beteiligte sich an der – bald auf Fischer zentrierten – hitzigen Debatte einzig der junge Fritz Fellner (1922-2012), der es wagte, Gerhard Ritter, dem schärfsten Fischer-Kritiker, zu widersprechen. Mit seinen Ausführungen erregte Fellner den Unwillen des Vorsitzenden Hantsch, der 1963 selbst eine zweibändige, mehr als apologetische Biographie des k.u.k. Außenministers von 1912-1915, Graf Leopold Berchtold, publiziert hatte.9 Für die damals tonangebenden, konservativen, der Habsburgermonarchie explizit positiv gegenüberstehenden Historiker, von denen der Benediktinermönch Hantsch einer der prominentesten und einflussreichsten war, stand eine kritische Beschäftigung mit der Kriegstreiberei der alten Eliten keinen Moment zur Diskussion. Ganz im Gegenteil: In Hantschs Buch über Berchtold wie auch schon in den publizistischen Beiträgen rund um den 50. Jahrestag des Kriegsbeginns 1964 war viel von der Schuld aller späteren Kriegführenden, wenn nicht gar von den damals beliebten Schein-Erklärungen wie „Verhängnis“, „Tragik“ usw. die Rede; eine halbwegs systematische Analyse der Zusammenhänge, Hintergründe und Motive der Handlungsträger unterblieb. Aufs Ganze gesehen blieb es während der 1960er und 70er Jahre bei einigen wichtigen, wenngleich eher kleinen Beiträgen Fellners, von denen hier vor allem die von ihm entdeckten und edierten Quellen zur sogenannten Hoyos-Mission Anfang Juli 1914 Erwähnung verdienen.10
Fellner, der seinen Hoyos-Text von 1976 in den Jahren 1984 und 1994 neuerlich publizierte, wandte sich gleichwohl bald von der Thematik wieder ab und fand in Österreichs kleiner scientific communitiy auch keine Nachfolger. Die maßgebenden Arbeiten dieser Zeit stammen von englischsprachigen Ausländern, insbesondere von John Leslie11, Francis Roy Bridge, Samuel R. Williamson, Solomon Wank, Norman Stone und Graydon A. Tunstall, Jr.
Obwohl auch Fellner sich nach 1995 bis zu seinem Tod 2012 gänzlich anderen Themenfeldern zuwandte, stammt aus seiner Feder der einzige, wenn auch kurze Beitrag, der sich explizit und ausschließlich mit der Frage der österreichischen Rolle beim Kriegsausbruch auseinandersetzt; er wurde 1995 bezeichnender Weise in englischer Sprache in dem diverse Länderstudien beinhaltenden Sammelband „Decisions for War 1914“ publiziert und in Österreich kaum rezipiert.12 Dabei bricht dieser kurze Text radikal mit einem Narrativ, das sich bis in die Zwischenkriegszeit zurückverfolgen lässt. Damals prägten die Publikationen von überlebenden Führungspersonen der habsburgischen Eliten das Bild, zu dem die seinerzeit aktiven Historiker wenig und schon gar nichts Kritisches beitrugen. Sie verhielten sich loyal nicht nur gegenüber der untergegangenen Donaumonarchie, sondern auch vis-a-vis dem einstigen deutschen Verbündeten, mit dem zusammen man schließlich die von den Siegern in den Friedensverträgen von Versailles und St. Germain postulierte alleinige Kriegsschuld der Mittelmächte zu (er)tragen und vor allem zu widerlegen hatte. Bei dieser Konstellation blieb kaum Raum für die Erörterung des Verhältnisses der beiden Verbündeten zueinander und der durchaus nicht immer deckungsgleichen Interessen Berlins und Wiens.
Schon der Völkerrechtler Stephan Verosta (1909-1998) hatte in einer 1971 publizierten Studie die Verantwortung der Mittelmächte für die Entfesselung eines – wie er es nannte – unprovozierten Krieges betont, dabei aber das Deutsche Reich als die hauptsächlich treibende Kraft bestimmt.13 Es lag rückblickend klar zu Tage, dass die österreichische Entscheidung für den Krieg letzten Endes nicht im Interesse der Doppelmonarchie gelegen war, doch bedeutete dies noch lange nicht, dass die 1914 maßgeblichen Erwägungen per se als irrational eingestuft wurden. Auf alle Fälle galten und gelten sie als vergleichsweise defensiv motiviert; ein nennenswertes expansionistisches Programm, geschweige denn ein Konzept wie der behauptete deutsche „Griff nach der Weltmacht“ habe in Wien nicht existiert.14
Fellners Beitrag in „Decisions for War 1914“ folgte 1995 im Wesentlichen dieser erstmals von Verosta stringent ausformulierten Linie. Fellner knüpfte an seine 20 Jahre zuvor niedergelegten Ausführungen zur Hoyos-Mission an und stellte gleich einleitend fest, die Quellen ließen keinen Zweifel daran zu, dass die habsburgische Führung die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand buchstäblich sofort als willkommene Gelegenheit wahrnahm, die seit langem debattierte und für unumgänglich gehaltene Klärung des Verhältnisses zu Serbien in die Tat umzusetzen. Mit anderen Worten: Es handelte sich bei den Wiener Vorgängen im Juli 1914 um die bewusste Herbeiführung eines Krieges mit Serbien, wobei das Risiko der Ausweitung zu einem europäischen Krieg sowohl erkannt als auch in Kauf genommen wurde. Fellner verwies erneut auf die wenig bekannte Rolle einer kleinen Gruppe jüngerer, vor allem ungarischer Diplomaten des k.u.k. Außenministeriums, die alle als Protegés des 1912 verstorbenen Außenministers Alois Graf Lexa von Aehrenthal galten und von ihrem Meister die Befürwortung einer aktiven, ja expansionistischen Außenpolitik auf dem Balkan als beste Medizin zur Stabilisierung der angespannten innenpolitischen Situation übernommen hatten. Fellner betonte aber auch, dass Aehrenthal keinen Krieg angestrebt hatte; er war bereit, bis an die Grenze zu einem Krieg zu gehen, aber nicht weiter. Sein Nachfolger Berchtold habe, assistiert und bestärkt von besagten Diplomaten als einem mit ihm auf Augenhöhe verkehrenden Beratergremium, diese aktive Außenpolitik in eine aggressive umgewandelt.
Die zweifellos vorhandene panserbische Propaganda in den südslawischen Gebieten der Monarchie (vor allem in Bosnien-Herzegowina, Dalmatien, Kroatien und Krain) diente dabei als äußere Rechtfertigung – nicht mehr, denn der Entschluss, die serbische Frage gewaltsam zu lösen, sei bereits Anfang Juli fixiert worden, bevor noch genauere Informationen zur Verwicklung Serbiens in den Anschlag von Sarajewo vorlagen. Spätestens bei dem Gemeinsamen Ministerrat vom 7. Juli – Graf Hoyos war am Vortag mit der Zusicherung deutscher Rückendeckung, dem berühmten Blankoscheck, aus Berlin heimgekehrt – war der Entschluss zum Krieg gefallen, danach ging es nur mehr um dessen Umsetzung.
Wenngleich er die Radikalisierung der Außenpolitik unter Berchtold erwähnte, betonte Fellner mit Blick auf die Vorgänge des Juli 1914 stark situative, also kurzfristige Momente und Motive, denn die geringen militärischen Vorbereitungen standen für ihn in einem grotesken Missverhältnis zum Kriegsgeschrei. Die habsburgische Führung wollte im Juli 1914 um jeden Preis Krieg mit Serbien und schloss jede andere Lösung aus. Berchtold legte Kaiser Franz Joseph die Kriegserklärung an Serbien mit einer Begleitnote vor, in der es hieß: Die Herbeiführung einer friedlichen Lösung des Konflikts durch eine Initiative der Triple Entente sei nicht auszuschließen und deshalb müsse man durch die Kriegserklärung eine eindeutige Situation schaffen. Allein dieses Dokument, so Fellner, erübrige weitere Debatten darüber, wer die Verantwortung für die Auslösung dieses Krieges (sc. gegen Serbien) zu tragen habe. Wörtlich heißt es bei Fellner: „The will to this third Balkan War dominated the thoughts and actions of Austrian politicians and military men.“15 Deren Entschluss könne allerdings nicht losgelöst von der zugesagten deutschen militärischen Rückendeckung verstanden werden.
Fellners weitere Argumentation überrascht den Leser bis zu einem gewissen Grad. Relativ unvermittelt heißt es weiter: Dass es anstelle des angestrebten lokalen Balkankrieges zu einem europäischen Krieg kam, sei nicht die Schuld der österreichischen Führung gewesen; diese Ausweitung ging auch nicht auf die Unfähigkeit zurück, die Krise durch das Schaffen vollendeter Tatsachen zu beenden, bevor andere Mächte intervenierten. Die Eskalation war laut Fellner vielmehr einzig und allein „the consequence and result of a determined German policy“.16 Gleich nach Abgabe der Zusicherungen Wilhelms II. an Hoyos betreffend deutsche Rückendeckung für einen österreichisch-ungarischen militärischen Schlag (5. Juli 1914) sei im Reich eine Maschine in Gang gesetzt worden, deren Ziel in der Herbeiführung eines „preventive war“ gegen die Entente-Mächte bestanden habe.17 Damit wurde offen gegen die Interessen Österreichs verstoßen: Denn Berlin hatte ja militärischen Beistand im Fall einer befürchteten russischen Intervention versprochen. Ende Juli jedoch forderte das Reich, dem Schlieffen-Plan gemäß, die Konzentration der k.u.k. Armee gegen Russland, da die deutschen Kräfte im Westen gebunden sein würden. Fellner spricht in diesem Zusammenhang von einem deutschen „betrayal of the ally“, denn ohne die zielstrebige deutsche Eskalationspolitik wäre die Lokalisierung des Krieges auf den Balkan durchaus möglich gewesen.18 Fellner attestiert den Wiener Eliten, sie hätten mit ihrer Bitte um deutsche Rückendeckung das Risiko einer Kriegsausweitung unter Kontrolle halten wollen – indem Russland abgeschreckt werden sollte. Die deutsche Politik tat und bewirkte jedoch das Gegenteil. Dieser Politik ging es überhaupt nicht um österreichisch-ungarische Interessen betreffend die gewaltsame Lösung der sogenannten serbischen Frage, sondern vielmehr um „strategic planning for a European war“.19
Zusammenfassend sieht Fellner die Schuld der von ihm als frivol und arrogant charakterisierten habsburgischen Eliten (Politiker, Militärs, Diplomaten und Publizisten) darin, dass sie mit ihrer Entscheidung für einen Krieg gegen den serbischen Nachbarn dem Reich die ersehnte Gelegenheit verschafften, jenen Präventivkrieg vom Zaun zu brechen, den deutsche Militärs seit Jahren gefordert hatten. Fellners letzte, vielsagende Sätze sind es wert, im Wortlaut zitiert zu werden:
„Austria-Hungary bears the responsibility for planning a local third Balkan War against Serbia – the responsibility for the escalation of the conflict into a European war does not lie with Austria-Hungary, it lies in Berlin.“20
Diese Gedankenführung greift der 1935 geborene Helmut Rumpler, Emeritus für österreichische Geschichte an der Universität Klagenfurt, in seiner 1997 publizierten grundlegenden Studie „Eine Chance für Mitteleuropa“ auf, die laut Untertitel die Jahre 1804 bis 1914, faktisch jedoch die Zeit von 1790 bis 1914 zum Inhalt hat; der Schwerpunkt liegt auf der franzisko-josephinischen Epoche ab 1848.21
Auf den letzten 30 Seiten des Buches findet sich ein auf die zum Erscheinungszeitpunkt des Werkes vorliegende Literatur gestütztes, aber mit eigenen Einschätzungen des Verfassers versehenes Kapitel „Der Weg in den Untergang (1903/05-1914)“, in dem Rumpler stärker als Fellners knapper Aufsatz die Jahre vor der Juli-Krise in den Blick nimmt. Außenminister Aehrenthal habe eine aktive, aber durchaus keine imperialistische Außenpolitik betrieben. Freilich sei der 1879 abgeschlossene und mehrfach erneuerte Zweibund mit Deutschland, über den Rumpler auch an anderer Stelle publiziert hat, zu einem „Schicksalsbund“ für die Monarchie geworden, denn er habe Österreich-Ungarn in die „Antagonismen der europäischen Bündnissysteme verstrickt“.22 Bündnisse dienten anders als früher nicht mehr der Friedenssicherung, sondern der Kriegsvorbereitung. Sodann werden die für die Habsburgermonarchie bedrohlichen Entwicklungen auf dem Balkan nach der Annexion Bosniens und der Herzegowina im Oktober 1908 rekapituliert und insbesondere der großserbische Nationalismus in den Vordergrund gestellt. Rumpler schreibt: „Lange bevor man in Österreich-Ungarn die Unausweichlichkeit eines Konfliktes mit Serbien hinnahm und sich auf den Krieg vorbereitete, scheint man in Serbien zu diesem entschlossen gewesen zu sein“.23 Man wisse zwar noch immer nichts Definitives über die Beziehungen der Belgrader Regierung zur „Terrortätigkeit“ offizieller wie geheimer Gesellschaften; aber dass diese Tätigkeit von Belgrad aus unterstützt und gelenkt wurde, stehe „außer Zweifel“.24 Für die Zeit nach dem Zweiten Balkankrieg, also ab Sommer 1913, meint Rumpler gar, einige Balkanstaaten, insbesondere Serbien, hätten sich auf einen „Angriff auf Österreich“ vorzubereiten begonnen.25
Für Rumpler brachte erst der Thronfolgermord einen „Umschwung“ der bis dahin rein defensiven Wiener Politik, der es zuvor keineswegs darum gegangen sei, ihre inneren „Schwierigkeiten durch einen Krieg zu lösen“.26 Nach diesen durchaus eigenwilligen Darlegungen schwenkt Rumpler wieder auf Fellners Argumentationslinie ein und verweist auf den schon erwähnten Ministerrat vom 7. Juli – nach der Hoyos-Mission. Auf dieser Sitzung wurde „der Beschluss für den Krieg gegen Serbien gefaßt, wobei der Krieg gegen Rußland als unvermeidbar und der ‚europäische Krieg‘ als höchst wahrscheinlich kalkuliert wurde.“27 Das Deutsche Reich drängte wohl auf baldiges Losschlagen, doch sei es aus österreichischer Sicht unangemessen, daraus eine ausschließliche deutsche Kriegsschuld abzuleiten. Wien sei aber nicht allein entschlossen gewesen, bis zum Ende zu gehen; dasselbe galt auch für Belgrad.
Österreich-Ungarn hätte es Rumpler zufolge vorgezogen, die südslawische Frage durch interne Reformen zu lösen; von einer Flucht in einen Krieg, motiviert durch die Unfähigkeit, solche friedlichen Lösungen zu finden und umzusetzen, könne keine Rede sein. Vielmehr habe Serbien die Monarchie „tödlich herausgefordert“, um solchen aus Belgrader Sicht überaus unerwünschten Lösungen zuvorzukommen. Zusammenfassend heißt es dann: „Aber die Entscheidung zum Krieg fiel nicht aus Schwäche, Ratlosigkeit oder Todessehnsucht. Es war die mörderische Antwort auf eine mörderische Provokation“.28 Damit wird zum einen die serbische Haupt-, wenn nicht Alleinverantwortung für die Wien quasi aufgedrängte Entscheidung für einen Balkankrieg herausgestellt und zum anderen – wenige Sätze vorher – betont, es sei nicht Österreich-Ungarn gewesen, das Europa 1914 in den Krieg stürzte.29
Die letzte, systematische Untersuchung dieser Frage hat Manfried Rauchensteiner, pensionierter Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien, 2013 in der Neuausgabe seiner Gesamtdarstellung Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg vorgelegt.30 Hier findet sich ein rund 40seitiges Kapitel „Die Entfesselung des Kriegs“. Rauchensteiner eröffnet es eher konventionell mit einer Schilderung des Thronfolgermordes und hält hierbei fest, der hinter den Attentätern stehende Chef des serbischen militärischen Nachrichtendienstes, Oberst Dragutin Dimitrijevi? („Apis“), habe mit dem Mordanschlag von Sarajewo den Südslawen der Monarchie ein Signal geben und die eigene Regierung unter Druck setzen wollen, ihre angeblich zu nachgiebige Politik aufzugeben. „Dass eine härtere Politik gegenüber Wien irgendwann einmal Krieg bedeuten konnte, musste aber gerade ihm klar sein“.31
In Wien stand sogleich nach dem 28. Juni fest, dass die Spur nach Belgrad führe und von Serbien Rechenschaft und Sühne zu fordern seien. Krieg war anzudrohen und diesmal sollte er auch geführt werden. In Wien herrschte Konsens, das Balkanproblem ein für alle Mal zu lösen. Auch der Kaiser war spätestens am 30. Juni dazu entschlossen. In beiden Ausgaben des Rauchensteiner-Buches folgen dann Sätze, welche die österreichische historiographische Interpretation der Juli-Krise geradezu idealtypisch zusammenfassen: „Der Krieg wurde herbeigeführt. Mehr noch: Er wurde entfesselt. Und Österreich-Ungarn war es, das die Fesseln löste. Das Deutsche Reich aber führte ihm immer dann die Hand, wenn diese zittrig zu werden drohte.“32
An dieser Interpretation fällt vor allem auf, dass Rauchensteiner nicht ausführt, wann und bei welchen Gelegenheiten Österreich-Ungarn „zittrig“ zu werden drohte. Das bedächtige Wiener Vorgehen während der Juli-Krise, den mehrwöchigen Abstand zwischen Thronfolgermord und Kriegserklärung kann er nicht meinen, denn diese Umstände werden durch diverse andere Faktoren erklärt und nicht durch Sorge vor einer Eskalation. In weiterer Folge nennt Rauchensteiner selbst zahlreiche Belege für die „überbordende Kriegsstimmung“, die er auch dadurch charakterisiert, dass er der einzigen, anfangs skeptischen Meinung, jener des ungarischen Ministerpräsidenten Graf István Tisza, breiten Raum widmet.33 Wie Rauchensteiner korrekt ausführt, können Tiszas mehrfach mündlich und schriftlich dargelegte, auch dem Monarchen mitgeteilte Bedenken gegen ein sofortiges Losschlagen, wie es etwa Generalstabschef Franz Freiherr Conrad von Hötzendorf forderte, nur vor dem kontrastiven Hintergrund der herrschenden allgemeinen Stimmung in Regierungskreisen verstanden werden. Dem steht nicht entgegen, dass „kühl und abwägend“ vorgegangen wurde; unkontrollierte Handlungen oder stressbedingte Fehlentscheidungen seien laut Rauchensteiner auszuschließen.34
Rauchensteiner folgt dann im Wesentlichen Fellner, wenn er – breiter als dieser – ausführt, dass im Juli in Wien und Berlin praktisch auf zwei ganz verschiedene Kriege zugesteuert wurde: Da auf einen begrenzten Krieg gegen Serbien, dort auf einen europäischen Konflikt. Deutschland habe, so wörtlich, den „drohenden Krieg von vornherein mit den Dimensionen eines Weltkriegs“ ausgestattet; in Wien habe hingegen eine eingeschränkte, vielleicht sogar beschränkte Sicht vorgeherrscht.35
Auch die Hoyos-Mission wird parallel zu Fellner gewertet: Sie habe die Wiener Führung mindestens ermuntert und man habe sich aus Berlin sogar ein wenig gedrängt gefühlt, rasch loszuschlagen. Aber, so der Autor, nach dem maßgeblich durch die Hoyos-Mission angestoßenen Einschwenken Tiszas auf die allgemeine bellizistische Linie habe ohnedies nur mehr das Wann und nicht mehr das Ob zur Debatte gestanden – obgleich klar war, dass wahrscheinlich ein europäischer Krieg drohte. Dennoch wurde – und darin sind sich alle Historiker inner- und außerhalb Österreichs einig – das Ultimatum an Serbien so formuliert, dass mit dessen Ablehnung zu rechnen war, ja diese erhofft und mittels als unerfüllbar geltender Forderungen angestrebt wurde. Die mehrwöchige Verzögerung erklärt Rauchensteiner einesteils mit Tiszas anfänglichem Widerstand, andernteils mit Berchtolds Strategie, den Krieg zu lokalisieren, indem das Ergebnis einer gründlichen Untersuchung des Attentats den europäischen Mächten die schändliche Rolle Serbiens vor Augen zu führen bestimmt war und andere Staaten dadurch von einer Intervention abgehalten werden sollten. Rauchensteiner hält hierzu fest, an einer Mitwisserschaft und Mitverantwortung serbischer amtlicher Stellen, nicht jedoch der Regierung, könne es heute keinen vernünftigen Zweifel mehr geben. Hierzu merkt der Klagenfurter Historiker und seinerzeitige Rumpler-Assistent Ulfried Burz in einem in der Rumpler-Festschrift 2000 veröffentlichten historiographischen Beitrag an: „Serbien bzw. die nunmehrige Bundesrepublik Jugoslawien hat bis heute kein Interesse gezeigt, für eine lückenlose Aufklärung rund um die Julikrise 1914 zu sorgen. Auch das ist ein Stück Identitätsgeschichte“.36 Bekanntlich ist ja auch für Christopher Clark Serbien der „blinde Flecken der Historiographie zur Julikrise“.37
Die während der letzten Monate auch in Österreich in großer Zahl vorgelegten Neuerscheinungen zum Ersten Weltkrieg haben weder den Forschungsstand weiterentwickelt noch haben sie die oben referierten Interpretationen in Frage gestellt oder durch neue ersetzt. Dieser Befund verwundert nicht, handelt es sich doch bei dieser Bücherschwemme zu großen Teilen um Synthesen des bisherigen Forschungsstandes. Auch eine 2013 vorgelegte neue Biographie Conrad von Hötzendorfs bleibt in dem hier interessierenden Punkt, Conrads Präventivkriegsforderungen und Kriegstreiberei, vollkommen in jenen Bahnen, die schon Anfang des Jahrtausends die englischsprachige Conrad-Biographie von Lawrence Sondhaus vorgegeben hat.38 Im Grunde war die Abkehr von der früher dominanten Conrad-Apologetik ab Ende der 1980er Jahre durch eine Reihe von Autoren erfolgt. Für die Militärelite der Donaumonarchie als Kollektiv liegt seit rund einem Jahrzehnt eine grundlegende Studie des in Österreich geborenen, aber in Deutschland lehrenden Günther Kronenbitter vor. Er befasst sich vor allem mit der mentalen Einstimmung auf einen künftigen Krieg; die konkreten materiellen Vorbereitungen stuft auch Kronenbitter als eher bescheiden ein, nimmt man die Rüstungsanstrengungen anderer vergleichbarer Mächte als Maßstab. In dieser Arbeit wird aufs Neue nachgewiesen, dass Conrad und mit ihm ein Teil der Generalität jahrelang für Präventivkriege plädierten, damit aber erst nach dem Attentat auf den Thronfolger Gehör fanden.39
Lohnend ist meines Erachtens nicht zuletzt ein Abgleich der österreichischen Historiographie mit dem schon mehrfach erwähnten englischsprachigen Schrifttum zur Rolle der Habsburgermonarchie vor und bei Ausbruch des Weltkrieges. Wenngleich erst kürzlich bemerkt worden ist, die Forschung sei sich noch heute nicht einig, ob und inwieweit die Entschiedenheit Österreich-Ungarns durch Deutschland beeinflusst oder sogar erst bewirkt worden sei40, kann man sagen, dass es kaum erwähnenswerte Auffassungsunterschiede zwischen den vorhin referierten österreichischen Interpreten und ihren angelsächsischen Kollegen gibt; sie beziehen sich auch wechselseitig auf die Forschungen der jeweils anderen Seite. Grundkonsens herrscht mithin über die grimmige Entschlossenheit Wiens zu einem Krieg gegen Serbien, nicht aber für einen großen Krieg. Abweichungen gibt es allenfalls darüber, wie realistisch oder illusionistisch die Hoffnung auf eine Lokalisierung des Konflikts denn war. Erstaunlicherweise fehlt bis heute eine Spezialstudie zur Lageeinschätzung seitens des habsburgischen Führungszirkels. Stellt man in Rechnung, dass die Militärs während des vorangegangenen Jahrzehnts stets mit einem Krieg an zumindest zwei Fronten gleichzeitig gerechnet und ihre Planungen genau darauf abgestellt hatten, so spricht allerdings wenig dafür, dass die Begrenzung eines Konflikts lediglich auf Serbien auch nur als halbwegs wahrscheinlich bzw. erreichbar galt.
In der österreichischen Öffentlichkeit des Jahres 2014, die schon seit Monaten mit unzähligen medialen Beiträgen über den Kriegsausbruch bzw. über den Weltkrieg insgesamt bombardiert wird, nimmt das Attentat von Sarajewo nach wie vor eine Spitzenstellung ein. Kaum ein Zeitungsartikel zu diesem Thema verzichtete 2014 – wie auch schon in den Jahren und Jahrzehnten davor – darauf, Franz Ferdinands Auto bzw. seine blutgetränkte Uniform abzubilden. Dabei begegnet noch vielfach die Auffassung, der Anschlag sei nicht nur Auslöser, sondern Ursache des Krieges und die österreichische Reaktion eine verständliche, wenn nicht rechtmäßige Abwehrmaßnahme gewesen – jedenfalls eine Reaktion, keine Aktion. In diesem Sinn ist auch das als Titel dieses Beitrags gewählte Zitat von Helmut Rumpler zu verstehen: „die mörderische Antwort auf eine mörderische Provokation“.
Besonders sensibel reagiert eine Mehrheit der österreichischen Medien auf neuerliche Bestrebungen in Serbien und Bosnien, den Attentäter Gavrilo Princip – der in Österreich nach wie vor als Terrorist und Mörder wahrgenommen wird – zu glorifizieren. Pläne für die Errichtung von ihm gewidmeten Denkmälern etc. werden in den österreichischen Medien bestenfalls mit Kopfschütteln, in der Regel aber überaus kritisch referiert und kommentiert.41 Da ist es mitunter nicht mehr weit zu dem altbekannten Argument, bei einem Staat wie dem heutigen Serbien, das Mörder verherrliche, habe man es eben mit einem typischen Balkanstaat zu tun.

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1 Als brandaktuellen Forschungsüberblick vgl. John Deak: The Great War and the Forgotten Realm: The Habsburg Monarchy and the First World War. In: The Journal of Modern History 86 (2014), S. 336-380. Oswald Überegger: Vom militärischen Paradigma zur „Kulturgeschichte des Krieges“? Entwicklungslinien der österreichischen Weltkriegsgeschichtsschreibung im Spannungsfeld militärisch-politischer Instrumentalisierung und universitärer Verwissenschaftlichung. In: Oswald Überegger (Hrsg.): Zwischen Nation und Region: Weltkriegsforschung im interregionalen Vergleich. Ergebnisse und Perspektiven (Innsbruck 2004), S. 63-122. Für die Historiographie der Zwischenkriegszeit vgl. Ulfried Burz: Die Kriegsschuldfrage in Österreich (1918-1938). Zwischen Selbstverleugnung und Identitätssuche. In: Ulfried Burz/Michael Derndarsky/Werner Drobesch (Hrsg.): Brennpunkt Mitteleuropa. Festschrift für Helmut Rumpler zum 65. Geburtstag (Klagenfurt 2000), S. 97-115. Veraltet ist Rudolf Je?ábek: Die österreichische Weltkriegsforschung. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Wirkung – Wahrnehmung – Analyse (München-Zürich 1994), S. 953-971.

2 Exemplarisch verwiesen sei auf den 1906 in Wien geborenen Robert Kann, der 1938 in die USA emigrierte, wo er 1981 verstarb. Siehe vor allem Robert Kann: Kaiser Franz Joseph und der Ausbruch des Ersten Weltkriegs (Wien 1971). Vgl. auch Samuel R. Williamson: Austria-Hungary and the Origins of the First World War (London-New York 1991). Graydon A. Tunstall, Jr.: Austria-Hungary. In: Richard F. Hamilton/Holger H. Herwig (Hrsg.): The Origins of World War I (Cambridge 2003), S. 112-149.

3 Vgl. Barbara Jelavich: What the Habsburg Government knew about the Black Hand. In: Austrian History Yearbook 22 (1991), S. 131-150.

4 Etwa Samuel R. Williamson, Jr.: Confrontation with Serbia: The Consequences of Vienna?s Failure to achieve Surprise in July 1914. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 43 (1993), S. 168-177. Graydon A. Tunstall, Jr.: The Habsburg Command Conspiracy: The Austrian Falsification of Historiography on the Outbreak of World War I. In: Austrian History Yearbook 27 (1996), S. 181-198.

5 Vgl. etwa Arndt Weinrich: „Großer Krieg“, große Ursachen? Aktuelle Forschungen zu den Ursachen des Ersten Weltkriegs. In: Francia 40 (2013), S. 233-252. Dieser umfassende Forschungsüberblick erwähnt die „Wiederentdeckung“ Österreich-Ungarns als Akteur nur en passant (S. 235). Ähnlich Annika Mombauer: Julikrise und Kriegsschuld – Thesen und Stand der Forschung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 64, Nr. 16-17 (2014), S. 10-16. Selbst wenn man den knappen für diesen Beitrag zur Verfügung stehenden Raum in Rechnung stellt, so überrascht, dass Mombauer zu Österreich-Ungarns Rolle lediglich bemerkt, die Doppelmonarchie habe zuletzt vermehrt Kritiker gefunden (S. 13).

6 Manfried Rauchensteiner: Der Tod des Doppeladlers. Österreich-Ungarn und der Erste Weltkrieg (Graz-Wien-Köln 1993), S. 63-85. Manfried Rauchensteiner: Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie 1914-1918 (Wien-Köln-Weimar 2013), S. 85-129.

7 Vgl. hierzu Ulfried Burz: Austria and the Great War: Official Publications in the 1920s and 1930s. In: Keith Wilson (Hrsg.): Forging the Collective Memory: Governments and International Historians Through Two World Wars (Providence, NJ 1996), S. 178-191.

8 Hierzu und zum Folgenden Günther Kronenbitter: Keeping a Low Profile – Austrian Historiography and the Fischer Controversy. In: Journal of Contemporary History 48 (2013), S. 333-349.

9 Hugo Hantsch: Leopold Graf Berchtold. Grandseigneur und Staatsmann. 2 Bände (Graz-Wien-Köln 1963).

10 Fritz Fellner: Die „Mission Hoyos“. In: Wilhelm Alf (Hrsg.): Deutschlands Sonderung von Europa 1862-1945 (Frankfurt am Main 1984), S. 283-316. Fritz Fellner: Die „Mission Hoyos“. In: Fritz Fellner: Vom Dreibund zum Völkerbund. Studien zur Geschichte der internationalen Beziehungen 1882-1919 (Wien 1994), S. 112-141.

11 John Leslie: The Antecedents of Austria-Hungary?s War Aims. Policies and Policy-Makers in Vienna and Budapest before and during 1914. In: Elisabeth Springer/Leopold Kammerhofer (Hrsg.): Archiv und Forschung. Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in seiner Bedeutung für die Geschichte Österreichs und Europas (Wien 1993), S. 307-394.

12 Fritz Fellner: Austria-Hungary. In: Keith Wilson (Hrsg.): Decisions for War 1914 (New York 1995), S. 9-25.

13 Stephan Verosta: Theorie und Realität von Bündnissen: Heinrich Lammasch, Karl Renner und der Zweibund (1897-1914) (Wien 1971).

14 Mit bezeichnendem Titel, wenn auch einem ganz anderen Thema gewidmet Alexander Will: Kein Griff nach der Weltmacht. Geheime Dienste und Propaganda im deutsch-österreichisch-türkischen Bündnis 1914-1918 (Wien-Köln-Weimar 2012).

15 Fellner, Austria-Hungary, S. 17. Ähnlich ebenda, S. 16.

16 Ebenda, S. 19.

17 Ebenda.

18 Ebenda, S. 21.

19 Ebenda.

20 Ebenda, S. 23.

21 Helmut Rumpler: Eine Chance für Mitteleuropa. Bürgerliche Emanzipation und Staatsverfall in der Habsburgermonarchie (Wien 1997).

22 Ebenda, S. 564.

23 Ebenda, S. 566 f.

24 Ebenda, S. 568 f.

25 Ebenda, S. 570.

26 Ebenda.

27 Ebenda, S. 571. Hiernach auch das Folgende.

28 Ebenda, S. 573. Neuere Forschungen betonen im Gegensatz zu älteren Darstellungen die doch nicht so geringe (Über-)Lebensfähigkeit der Monarchie, deren administratives und wirtschaftliches System besser als früher angenommen funktionierte; auch sei – bei aller Kritik im Einzelnen – die überwiegende Mehrheit der multiethnischen Bevölkerung dem Gesamtstaat loyal gegenübergestanden. Vgl. hierzu Deak, Great War.

29 Rumpler, Chance, S. 572.

30 Rauchensteiner, Weltkrieg.

31 Ebenda, S. 89.

32 Ebenda, S. 93.

33 Ebenda, S. 94 f.

34 Ebenda, S. 96.

35 Ebenda, S. 110.

36 Burz, Kriegsschuldfrage, S. 115.

37 Christopher Clark: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog (München 2013), S. 15.

38 Wolfram Dornik: Des Kaisers Falke. Wirken und Nach-Wirken von Franz Conrad von Hötzendorf. Mit einer Nachbetrachtung von Verena Moritz und Hannes Leidinger (Innsbruck-Wien-Bozen 2013). Lawrence Sondhaus: Franz Conrad von Hötzendorf: Architect of the Apocalypse (Boston-Leiden-Köln 2000). Inzwischen liegt auch eine deutschsprachige Ausgabe von Sondhaus? Studie vor.

39 Günther Kronenbitter: Krieg im Frieden. Die Führung der k. u. k. Armee und die Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906-1914 (München 2003). Kronenbitters zahlreiche Aufsätze zur Kriegsbereitschaft der habsburgischen Führung werden in dieser Studie zusammengefasst und weiterentwickelt, weshalb sie hier nicht im Einzelnen zitiert werden.

40 Gerd Krumeich: Vorstellungen vom Krieg vor 1914 und der Beginn des „Großen Krieges“. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 64, Nr. 16-17 (2014), S. 3-8, hier S. 6.

41 Aufreger: Denkmal für einen Mörder. In: Kronen Zeitung, 1.6.2014, Beilage S. 36. Es handelt sich um die mit Abstand auflagenstärkste Tageszeitung Österreichs.