1 Odo Marquard, Kleine Philosophie des Festes, in: Uwe Schultz (Hg.), Das Fest. Eine Kulturgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart, München 1988, S. 414-420, S. 414.

2 Vgl. z. B. Ernst Klee, "Euthanasie" im NS-Staat. Die "Vernichtung lebensunwerten Lebens", Frankfurt am Main 1983, S. 367-371. In der ersten großen Studie zu Aufgaben und Tätigkeit der Einsatzgruppen von Helmut Krausnick und Hans-Heinrich Wilhelm finden die Mordaktionen an den Psychiatriepatienten auf dem Gebiet der Sowjetunion keine systematische Darstellung, sondern nur marginale Erwähnung, vgl. z. B. zu den Krankentötungen in Minsk und Mogilew Helmut Krausnick/Hans-Heinrich Wilhelm, Die Truppe des Weltanschauungskrieges. Die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD 1938-1942, Stuttgart 1981, S. 543 f., 548-552. Im Heft 1 der Beiträge zur nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik erschien 1985 eine Dokumentation, in der die Ereignismeldungen UdSSR der Einsatzgruppen mit einem 1965 in russischer Sprache publizierten Aufsatz von D. D. Fedotov zu den Krankenmorden in der Sowjetunion in Beziehung gesetzt werden, vgl. Angelika Ebbinghaus/Gerd Preissler, Die Ermordung psychisch kranker Menschen in der Sowjetunion. Dokumentation, in: Götz Aly/Angelika Ebbingshaus/Matthias Hamann/Friedemann Pfäfflin/Gerd Preissler (Hg.), Aussonderung und Tod. Die klinische Hinrichtung der Unbrauchbaren, Berlin 1985, S. 75-107. Doch blieb diese Studie ohne große Resonanz in der historischen Forschung zur NS-"Euthanasie". Immerhin weisen Ebbinghaus und Preissler auf ein Denkmal für die ermordeten Patienten des Psychiatrischen Krankenhauses in Charkow hin. Auch in Kiew (Ukraine) und Mogilew (Weißrussland) gibt es inzwischen Gedenkzeichen für die ermordeten Patienten der dortigen Psychiatrischen Kliniken. Christian Gerlach berichtet in seiner umfassenden Studie zur deutschen Besatzungspolitik in Weißrussland über die Morde an psychisch und physisch Kranken in dem Kapitel "Weitere Opfer der deutschen Vernichtungspolitik", vgl. ders., Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944, Hamburg 1999, S. 1067-1074. In seiner kurzen Darstellung der Tätigkeit der Einsatzgruppe B finden die sowjetischen Psychiatriepatienten jedoch keine Erwähnung, vgl. Christian Gerlach, Die Einsatzgruppe B 1941/42, in: Peter Klein (Hg.), Die Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion 1941/42. Die Tätigkeits- und Lageberichte des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, Berlin 1997, S. 52-70. Johannes Hürter zeigt für die 18. Armee im rückwärtigen Heeresgebiet vor Leningrad, wie die Patienten der Kaschtschenko-Klinik bei Krasnogvardejsk im Interesse der Wehrmacht dem SD, d.h. dem Einsatzkommando 1b, ausgeliefert worden sind, vgl. ders., Die Wehrmacht vor Leningrad. Krieg und Besatzungspolitik der 18. Armee im Herbst und Winter 1941/42, in: VfZ 49 (2001), S. 377-440, hier: S. 436-438. Dieter Pohl betrachtet in seiner Studie zur deutschen Militärbesatzung in der besetzten Sowjetunion kursorisch auch die Ermordung der Psychiatriepatienten, vgl. ders., Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944, München 2008, S. 271-276. Inzwischen liegt eine Diplomarbeit von Olga Alexandrowna Goleta unter dem Titel "Naziverbrechen gegen Patienten psychiatrischer Anstalten in Belarus in der Zeit des Großen Vaterländischen Krieges (1941-1944)" an der Historischen Fakultät der Belarussischen Staatlichen Universität Minsk 2009 in russischer Sprache vor.

3 Vgl. Henry Friedlander, Der Weg zum NS-Genozid. Von der Euthanasie zur Endlösung, Berlin 1997.

4 Vgl. Hans-Walter Schmuhl, Vergessene Opfer. Die Wehrmacht und die Massenmorde an psychisch Kranken, geistig Behinderten und "Zigeunern", in: Heinrich Pohl (Hg.), Wehrmacht und Vernichtungspolitik. Militär im nationalsozialistischen System, Göttingen 1999, S. 115-139. Siehe neuerdings auch: ders., "Euthanasie" und Krankenmord, in: Robert Jütte (Hg.), Medizin und Nationalsozialismus. Bilanz und Perspektiven der Forschung, Göttingen 2011, S. 214-255.

5 Vgl. Christian Gerlach, Militärische "Versorgungszwänge", Besatzungspolitik und Massenverbrechen. Die Rolle des Generalquartiermeisters des Heeres und seiner Dienststellen im Krieg gegen die Sowjetunion, in: Norbert Frei/Sybille Steinbacher/Bernd C. Wagner (Hg.), Ausbeutung, Vernichtung, Öffentlichkeit. Neue Studien zur nationalsozialistischen Lagerpolitik, München 2000, S. 175-208.

6 Vgl. Pohl, Herrschaft (wie Anm. 3), S. 276.

7 BStU, MfS, HA IX/11, ZUV 9, Bd. 1-32. Zur Verfolgung von NS-Verbrechern, zur Beteiligung des MfS sowie zur Bildung der Hauptabteilung IX/11 am 6.8.1965 vgl. die Überblicksdarstellung von Günther Wieland, Die Ahndung von NS-Verbrechen in Ostdeutschland 1945-1990, in: DDR-Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung ostdeutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen, Bd. Verfahrensregister, München/Amsterdam 2002, S. 12-94, hier: S. 73 ff.

8 Vgl. Anklageschrift vom 8.9.1971, BStU, MfS, HA IX/11 ZUV 9, Bd. 16/2, Bl. 479-533, sowie das Urteil vom 2.12.1971, ebd., Bd. 33, Bl. 2-33.

9 Israel Gutman/Eberhard Jäckel/Peter Longerich/Julius H. Schoeps (Hg.), Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, Bd. II, Berlin 1993, S. 959.

10 Vgl. ebd., Bd. 32.

11 Vgl. "Analyse - Zeugenaussagen im Ermittlungsverfahren gegen den Beschuldigten Frentzel, Georg", ebd., Bd. 8, Bl. 162. Von Frau Bulawko und ihren Kolleginnen existieren etliche Fotos, vgl. ebd., Bd. 32.

12 Vernehmungsprotokoll Pugatsch vom 12.6.1970, ebd., Bd. 4/2, Bl. 331.

13 So Vera Wikentjewna Lewschewitsch in ihrer Vernehmung am 9.4.1970, ebd., Bl. 404-408.

14 Vernehmungsprotokoll A. N. Stepanow vom 4.11.1948, ebd. Bl. 312.

15 Vernehmungsprotokoll Frentzel vom 14.8.1970, ebd., Bd. 4/2, Bl. 278.

16 Vernehmungsprotokoll Frentzel vom 25.8.1970, ebd., Bl. 279.

17 Vernehmungsprotokoll A. N. Stepanow vom 24.12.1948, ebd., Bd. 4/2, Bl. 315.

18 Vernehmungsprotokoll A. N. Stepanow vom 1.6.1970, BStU, MfS, HA IX/11, ZUV 9, Bd. 4/1, Bl. 249. Zu den Zahlen: Vernehmungsprotokoll A. N. Stepanow vom 24.12.1948, ebd., Bd. 4/2, Bl. 317.

19 In der Darstellung von Gerlach, Kalkulierte Morde (wie Anm. 3), S. 1069 f. wird nicht zwischen der Probevergasung einiger Patienten in Anwesenheit von Nebe und Widmann Mitte September 1941 und der Massentötung durch das EK VIII einige Tage oder Wochen später unterschieden.

20 Das Filmfragment fand Eingang in den Film "Die Lehre von Nürnberg", einer auf authentischem Filmmaterial beruhenden Zusammenstellung der Information Services Devision des Office of Military Government of Germany (US) für die Nürnberger Prozesse 1945-1949, Bundesarchiv/Filmarchiv Berlin, FBW 0003511. Die Szenen aus Mogilew sind in der 35. und 36. Filmminute zu sehen. Vgl. auch United States Holocaust Memorial Museum (Hg.), Deadly Medicine. Creating the Master Race, Washington 2004, S. 176 f.

21 Vgl. Gerlach, Kalkulierte Morde (wie Anm. 3), S. 1068 und Ebbinghaus/Preissler, Dokumentation (wie Anm. 3), S. 83 ff. Der Dienstkalender Himmlers belegt einen Besuch Himmlers in der Psychiatrischen Kolonie in Nowinki am Nachmittag des 15.8.1941 ("Besichtigung der Irrenanstalt"). Nach einer Aussage von Erich von dem Bach-Zelewski, Höherer SS- und Polizeiführer Rußland-Mitte, soll Himmler Nebe hier mit der Tötung der Geisteskranken beauftragt haben, vgl. Peter Witte/Michael Wildt/Martina Voigt/Dieter Pohl/Peter Klein/Christian Gerlach/Christoph Dieckmann/Andrej Angrick (Bearb.), Der Dienstkalender Heinrich Himmlers 1941/42, Hamburg 1999, S. 195.

22 Vgl. Ebbinghaus/Preissler, Dokumentation (wie Anm. 3), S. 83 ff.

23 Urteil gegen Dr. Albert Widmann vom 15.9.1967, abgedruckt in: Christiaan Frederik Rüther/Dick de Mildt (Hg.), Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung der Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945-1999, Bd. 26, Amsterdam 2001, S. 562.

24 Urteil gegen Dr. Albert Widmann vom 15.9.1967, abgedruckt in: Rüther/Mildt (Hg.), Justiz und NS-Verbrechen (wie Anm. 77), S. 562.

25 Ebd., Bl. 319.

26 Vernehmungsprotokoll N. A. Pugatsch vom 13.7.1944, ebd., Bd. 4/1, Bl. 254.

27 Vernehmungsprotokoll Frentzel vom 18.8.1970, ebd., Bd. 4/2, Bl. 291.

28 Vernehmungsprotokoll Frentzel vom 27.8.1970, ebd., Bd. 4/1, Bl. 209.

29 Ebd.

30 Die Ressourcen Weißrusslands sollten dem "Ostheer" und der deutschen Bevölkerung im "Reich" zu gute kommen. Diesen Zielen wurde die deutsche Besatzungspolitik, die regelrechte "Kahlfraßzonen" hinterließ, untergeordnet. Hierzu grundsätzlich Gerlach, Kalkulierte Morde (wie Anm. 3), S. 9. Anfang Mai 1941 war klar: "Der Krieg ist nur weiterzuführen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Russland ernährt wird. Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande heraus geholt wird." Aktennotiz über eine Besprechung der Staatssekretäre/Mitglieder des Wirtschaftsstab Ost mit Vertretern des Wirtschaftsführungsstabes Ost zur geplanten wirtschaftlichen Ausplünderung der sowjetischen Gebiete vom 2.5.1941, PS-2718, IMT, Bd. 31, S. 84, abgedruckt in: Gerd R. Ueberschär/Wolfram Wette (Hg.), Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. "Unternehmen Barbarossa" 1941, Frankfurt am Main 1991, S. 323.

31 Vernehmungsprotokoll Frentzel vom 14.8.1970, BStU, MfS, HA IX/11 ZUV 9, Bd. 4/2, Bl. 276.

32 Vernehmungsprotokoll A. N. Stepanow vom 20.7.1944, ebd., Bd. 13/2, Bl. 301.