Krieg und Psychiatrie, 1914 - 1950
Ulrike Winkler und Philipp Rauh

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
Einführung von Ulrike Winkler
vielen Dank für die freundliche Einladung und die Möglichkeit, Ihnen heute den von Babette Quinkert, Philipp Rauh und mir herausgegebenen Sammelband "Krieg und Psychiatrie (von) 1914 bis 1950" vorstellen zu können. Wir wollen dabei so vorgehen, dass ich Ihnen zunächst kurz den Inhalt des Buches referiere. Dann werden Philipp Rauh und ich intensiver auf einzelne Themenschwerpunkte eingehen.
Insgesamt acht Beiträge des in der Reihe der Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus erschienenen Sammelbandes wurden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Bundesrepublik Deutschland, aus Australien, den Vereinigten Staaten und den Niederlanden beigesteuert. Bei unserem Band handelt es sich übrigens um ein "Mehrgenerationenprojekt", gehört doch unsere jüngste Autorin dem Jahrgang 1986 an, während unser ältester Autor 1931 geboren wurde.
Wir haben versucht, das Thema "Krieg und Psychiatrie" möglichst weit zu fassen. Den Bezugsrahmen hierfür bildeten die drei Hauptaufgabenbereiche der Psychiatrie im Krieg:
Einmal die Begutachtung, zum zweiten die Behandlung und drittens - dies gilt zumindest für die Zeit des Zweiten Weltkrieges - die Vernichtung von Soldaten bzw. Patienten.
Wir konzentrierten uns somit nicht nur auf die unmittelbaren psychischen Folgen für die deutschen Soldaten während des - wie Odo Marquard den Krieg einmal definiert hat - "großen Moratoriums des Alltags",1 sondern auch auf das Schicksal der Soldaten nach ihrer Entlassung. Viele von ihnen kamen nicht nur als körperlich Versehrte in ihre Familien und ihr Land zurück, sondern auch als seelisch Verwundete. Wie sah der rechtliche Status der Veteranen des Ersten Weltkrieges in der Weimarer Republik aus, wie war deren gesellschaftlicher Stand und materielle Versorgung im Nationalsozialismus?
Das NS-Regime hatte ja im Vorfeld der Machtübertragung versprochen, den Soldaten des Ersten Weltkrieges ihre "Ehre" wiederzugeben. Galt dieses Versprechen auch für die seelisch kranken Veteranen?
Zugleich hat uns die Behandlungspraxis der Militärpsychiater in beiden Weltkriegen interessiert. Dabei konnte die bisherige Forschung, die sich vor allem auf die Beschreibung und Bewertung des fachärztlichen Diskurses stützt, durch die Hinzuziehung von Patientenakten um eine wesentliche Perspektive, nämlich um die des "kleinen Mannes", erweitert werden. Traten doch hinter den vermeintlichen "Drückebergern", "Kriegszitterern" und "Neurotikern" einfache Soldaten hervor, die unsagbar - und dies im Wortsinne, waren doch viele von ihnen verstummt - unter ihren Erlebnissen und Taten litten.
Zur Herstellung ihrer psychischen Gesundheit und ihrer Fronttauglichkeit wurden bereits im Ersten Weltkrieg ausgesprochen drastische Behandlungsmethoden angewendet, die dann im Zweiten Weltkrieg teilweise noch "perfektioniert" wurden - mehr dazu gleich anschließend von Philipp Rauh. Die Anwendung derartiger drakonischer Therapien in den Kliniken und Lazaretten war aber nicht zwangsläufig. So zeigt ein Beitrag unseres Bandes, dass es Ärzten und Psychiatern durchaus möglich war, sich Handlungsspielräume zu organisieren und diese auch im Interesse ihrer Patienten nutzen konnten - wenn sie denn wollten.
Es war uns zudem wichtig, den Blick über Deutschland hinaus zu richten. Zwei Beiträge aus US-amerikanischer Perspektive vergleichen die Entwicklung therapeutischer Schwerpunktsetzungen der Militärpsychiatrien beider Länder. Die zentrale Differenz ist in der Ätiologie der Kriegsneurose zu sehen. Während die deutsche Militärpsychiatrie zwischen 1939 und 1945 einen Zusammenhang zwischen Kriegserlebnissen und seelischen Erkrankungen ausschloss und die Symptome traumatisierter Soldaten als Ausfluss deren angeborener und charakterlicher "Minderwertigkeit" wertete, festigte sich in der US-amerikanischen Militärpsychiatrie die Überzeugung, dass massive Kampfbelastungen tendenziell jeden Soldaten an den Rand seiner psychischen Belastungsgrenze bringen konnten. Aus diesen sehr unterschiedlichen Sichtweisen resultierten naturgemäß unterschiedliche Behandlungspraxen.
Zum Themenfeld Krieg und Psychiatrie zählt unser Sammelband explizit auch die NS-"Euthanasie" im Zweiten Weltkrieg. Er schließt damit an neuere Forschungen an, die den Mord an Psychiatriepatienten "als Nebenschauplatz des totalen Krieges" interpretieren. Ein Beitrag in unserem Band befasst sich mit den psychisch kranken Soldaten des Ersten Weltkrieges, die sich nach 1933 in psychiatrischer Anstaltsbehandlung befanden. Entgegen der Nachkriegsaussagen der am Krankenmord beteiligten Täter wurden diese Veteranen systematisch für die Euthanasieaktion T4 selektiert. Weiterhin haben wir uns mit dem Schicksal von Menschen beschäftigt, die in psychiatrischen Anstalten der Sowjetunion lebten. Am Beispiel des Republikanischen Psychiatrischen Krankenhauses in Mogilew haben Gerrit Hohendorf und ich versucht, das Zusammenspiel von deutscher Militärverwaltung, des Einsatzkommandos VIII der Einsatzgruppe B, der Mogilewer Stadtverwaltung und des klinischen Personals zu beschreiben und zu analysieren. Darüber werde ich noch ausführlicher berichten.
Mit dem Patientenmord befasst sich in unserem Sammelband auch die Rubrik "Fundstück". Dort wird anhand von Patientenakten und Meldebögen die Krankengeschichte eines Mädchens vorgestellt, das Opfer der "Euthanasie" wurde. Bedrückend war hier die ambivalente Haltung der Eltern während des Krankenmordes an geistig behinderten Kindern.
Ein Aufsatz über den gesellschaftlichen und juristischen Umgang mit Niederländern, die in den Diensten der SS standen, und die Funktion von Psychiatern bei deren Resozialisierung nach 1945 rundet den Band ab.

Vortrag von Philipp Rauh
Das Erleben von psychisch belastenden Situationen in kriegerischen Auseinandersetzungen gehört zum Alltag von Soldaten. Dass diese darauf mit seelischen Störungen reagieren, ist spätestens seit dem Ersten Weltkrieg bekannt. Seitdem hat jeder Krieg eine ihm eigene Konstellation an psychischen Symptomen hervorgebracht. Während die Militärpsychiater des Ersten und auch des Zweiten Weltkrieges mit dem Phänomen der Kriegsneurose konfrontiert wurden, ist in der Folge des Vietnamkriegs seit den 1980er Jahren von posttraumatischen Belastungsstörungen bei Soldaten die Rede.
Die historischen Erfahrungen vieler Kriege zeigen auch, dass das Thema psychische Erkrankungen nicht mit dem Abzug der Soldaten oder dem Ende der Kampfhandlungen abgeschlossen ist. Jede Gesellschaft muss sich mit den auch nach dem Kriege anhaltenden psychischen Problemen der heimgekehrten Soldaten auseinandersetzen. Dies betrifft nicht zuletzt die Frage nach der Anerkennung einer Dienstbeschädigung. Und auch hier gibt es bis zum heutigen Tage Kontroversen zwischen den Betroffenen und den begutachtenden Psychiatern.
Im Zentrum meiner Ausführung stehen demzufolge Theorie und Praxis der Behandlung von psychischen kranken Soldaten im Ersten Weltkrieg und Zweiten Weltkrieg sowie der Umgang mit den seelisch erkrankten Veteranen in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus.


Beginnen möchte ich mit dem Ersten Weltkrieg.

Die Militärpsychiatrie im Ersten Weltkrieg
Im Ersten Weltkrieg gewannen die Kämpfe an der Front einen neuen Charakter. Vor allem das passive Ausharren und die permanente Todesdrohung in den Schützengräben während des Stellungskrieges an der Westfront werden für den massenhaften Ausbruch einer neuen psychischen Erkrankung der Soldaten verantwortlich gemacht. Bereits kurz nach Beginn des Krieges sahen sich die Militärpsychiater mit einem bis dahin nicht bekannten Krankheitsbild konfrontiert: Eine Vielzahl der Soldaten reagierte auf das Erlebte mit Lähmungen einzelner oder mehrerer Gliedmaßen, sie wurden blind oder taub, zuckten, zitterten, verstummten und brachen psychisch zusammen. Die Militärpsychiatrie fasste diese Symptome unter Bezeichnungen wie "Kriegsneurose", "Kriegshysterie" oder "Nervenschock" zusammen.
Die Frage nach den Ursachen dieses neuen Phänomens führte unter den Militärpsychiatern zu einer Kontroverse, die im Jahre 1916 auf einem Fachkongress ausgetragen wurde. Hier traten bekannte Psychiater wie Robert Gaupp oder auch der Berliner Karl Bonhoeffer gegen den Neurologen Hermann Oppenheim (ebenfalls Berlin) an. Im Gegensatz zu Oppenheims Modell, der durchaus einen kausalen Zusammenhang zwischen Kriegserlebnis und Ausbruch der seelischen Erkrankung konstatierte, sahen seine Kontrahenten den Grund für die psychischen Symptome vielmehr in dem fehlenden "Willen" der Kriegshysteriker, den Frontalltag auszuhalten. Eine Verbindung zwischen seelischem Leiden und konkretem Kriegserleben schlossen sie aus. Sie betonten in diesem Zusammenhang vielmehr die erbliche Belastung der Betroffenen, darüber hinaus ihre innere Abwehr gegen den Kriegsdienst sowie ihre gemütslabile Konstitution.
Die Verfechter dieses Erklärungsansatzes sollten sich auf dem Kongress gegenüber der Ansicht Oppenheims durchsetzen. Die kriegspsychiatrische Tagung kann somit als die Geburtsstunde der so genannten "herrschenden psychiatrischen Lehre" gelten. Ab diesem Zeitpunkt sollten bis weit in die 1950er Jahre hinein nahezu sämtliche Ausführungen zum Phänomen der Kriegshysteriker auf diese Lehrmeinung Bezug nehmen. Dass diese andauernde Bezugnahme jedoch nicht zu jeder Zeit gleichbedeutend war mit einer diskussions- und alternativlosen Annahme dieser Lehrformel innerhalb des wissenschaftlichen und sozialpolitischen Diskurses - und viel weniger noch identisch war mit dem psychiatrischen Behandlungs- und Begutachtungsalltag, ist gewissermaßen eine Kernthese des Vortrages und soll, so hoffe ich, im Laufe meiner Ausführungen deutlich werden.
Für die psychisch kranken Soldaten hatte die Einstellung der Militärpsychiater mitunter furchtbare Folgen. Unter Verweis auf die notwendige "Willenskraft" des Patienten zur Überwindung der Kriegsneurose entwickelten insbesondere die führenden Fachvertreter spezifische Therapiemethoden, die heute drastisch anmuten, allerdings seinerzeit zum ersten Mal Heilungsaussichten bzw. Chancen auf Symptomfreiheit beim Soldaten in Aussicht stellten. Bei diesen für den Patienten äußerst qualvollen therapeutischen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Muckschen Kehlkopfbehandlung oder der so genannten Kaufmann-Kur mit faradischem Strom, sollte der Kriegsneurotiker mit einem noch massiveren Schock als dem Kriegserlebnis konfrontiert und so an die vergleichsweise erträglichere , weil weniger schmerzhafte Front zurückgeführt werden. Bei der Mukschen Kehlkopftherapie wurde Soldaten, die an funktioneller Stummheit litten, eine metallische Kugel in den Kehlkopf eingeführt. Durch die dadurch verursachte Erstickungsangst sollte der erkrankte Soldat seine Sprachfähigkeit wiedererlangen. Wie der Essener Neurologe Otto Muck mit seiner Kehhlkopfsonde wandte auch der Psychiater Fritz Kaufmann bei seiner Therapie eine Überrumpelungsmethode an. Kaufmanns oberstes Prinzip war, die "Heilung" in einer Sitzung. Die Behandlung begann mit einer suggestiven Vorbereitung, in der dem Patienten unmissverständlich die Entschlossenheit des Therapeuten signalisiert wurde. Daraufhin wurden dem Soldaten "kräftige Wechselströme" in 3-5-minütigen Intervallen verabreicht. Sie wurden durch Suggestion in scharfem militärischem Befehlston begleitet. "Der gewaltige Schmerzeindruck", so Kaufmann, würde angeblich den Patienten "in die Gesundung hinein zwingen". Bei diesem Verfahren traten auch Todesfälle auf.
Der führende Neurologe und Kriegspsychiater Max Nonne hatte bei einer Behandlung mit Elektroschocks in der Klinik von Kaufmann hospitiert und seine Erfahrungen zu Papier gebracht. Aus dieser - wie ich finde - sehr eindrücklichen Beschreibung möchte ich Ihnen nun eine Sequenz vorlesen:
"Im Halbdunkel liegt ein alter Hysteriker auf meinem Behandlungstisch. Das heißt: er schleppte sich auf zwei Stöcken hängend, zitternd, mit steifen verkreuzten Beinen in unbeschreiblich grotesken Gangfiguren. Wie dieser Mann nun auf dem Behandlungstisch liegt und ich nehme die Elektrode in die Hand, da geschieht etwas Unbegreifliches: er verwandelt sich unter meinen Augen in einen anderen. Ein steifer Blick, ein verzerrtes Gesicht, die Muskeln wie Stricke angespannt, fortstrebend, dagegenstrebend und zusammengekrümmt. Und mit dem blinden Sträuben und Drängen läuft gleich noch ein zweiter Gang an: Ein Zittern, Krachen und Zucken - die Zähne klappern, die Haare sträuben sich, der Schweiß tritt auf das blaßgewordene Gesicht. Was noch durch diesen Tumult hindurchdringt, das sind kurze, scharfe Zurufe, festes Anfassen, rascher, kräftiger Schmerz. Und unter diesen Reizen tritt, wieder mit einem plötzlichen Ruck, eine zweite Verwandlung ein. Man hat fast ein körperliches Gefühl davon, so als ob ein ausgedrehtes Gelenk wieder einschnappte. Auf einmal ist der Wille glatt und gerade und die Muskeln folgen beruhigt, willig seinem Antrieb."
Soviel zu Nonnes beinahe magischer Schilderung einer Therapiesitzung nach Kaufmann.
In der bisherigen Forschungsliteratur, die die Geschichte der Psychiatrie des Ersten Weltkrieges vornehmlich mittels medizinischer Fachquellen untersuchte, wurde lange Zeit eine Dominanz dieser schmerzhaften kriegspsychiatrischen Konzepte unterstellt. Ein kürzlich abgeschlossenes Forschungsprojekt, das die Lazarettakten von psychisch kranken Soldaten erfasst und ausgewertet hat, zeigt jedoch, dass im Behandlungsalltag keinesfalls immer nur die berüchtigten Therapien angewandt wurden. Vielmehr wurden von den Ärzten in den frontnahen Lazaretten offenbar sehr unterschiedliche Behandlungsformen, wie zum Beispiel Ruhe, Extrakost und Beruhigungsmittel eingesetzt. Ein weiteres Ergebnis des Projektes, das wiederum die Diskrepanz zwischen den Verlautbarungen in den medizinischen Fachzeitschriften und den empirischen Ergebnissen zum Behandlungsalltag aufzeigt, ist, dass man den Soldaten durchaus Zeit zur Regeneration ließ und sie eben nicht immer umgehend an die Front zurückbeorderte.
Die Lazarettakten weisen dabei generell auf einen sehr pragmatischen Umgang mit den psychisch kranken Soldaten hin. Dies verwundert insofern nicht, wenn man sich den Behandlungsalltag der Lazarettärzte vor Augen führt. Gerade in den oftmals überfüllten und schlecht ausgerüsteten Feldlazaretten des Ersten Weltkrieges waren die Militärärzte vollkommen damit ausgelastet, ihren Patienten gegenüber eine Art Krisenmanagement zu betreiben. Selbst in unmittelbarer Frontnähe im Einsatz hatten diese Ärzte zudem eine realistische Vorstellung davon, was der Soldat im Ersten Weltkrieg leisten musste. Aus dieser unterschiedlichen Ausgangslage zwischen den an der Front praktizierenden Ärzten und dem an der Heimatfront praktizierenden und publizierenden medizinischen Establishment erklärt sich auch die Diskrepanz im Urteil und Umgang mit den psychisch kranken Soldaten.
Man könnten nun, den Themenkomplex Psychiatrie und Erster Weltkrieg abschließend, pointiert zusammenfassen, dass es aus Patientenperspektive wünschenswert erschien eben nicht in der Heimat behandelt zu werden. Denn je mehr Zeit die Mediziner an der Heimatfront hatten, desto eingehender konnten sie sich mit den neuen psychischen Krankheitserscheinungen der Soldaten befassen - und diese intensive Zuwendung war für den Patienten nicht selten eine wirklich schmerzhafte!


Die heimgekehrten Soldaten

Mit dem Ende der Kampfhandlungen war das Thema der psychischen Kriegsfolgen bei weitem nicht abgeschlossen. Wie jede Nachkriegsgesellschaft musste sich auch die Weimarer Republik mit den anhaltenden psychischen Problemen der heimgekehrten Soldaten auseinandersetzen. Dies betraf nicht zuletzt die Frage nach der Anerkennung einer Dienstbeschädigung. Die Vertreter der herrschenden psychiatrischen Lehre sprachen sich vehement gegen eine Kriegsrente bei psychisch erkrankten Veteranen aus. Ihr Argumentationsmuster zur Entstehung von Kriegsneurosen war nach wie vor dasselbe, ihre Aversionen gegen die Kriegsneurotiker auch.
Das hier vorgestellte psychiatrische Establishment war mehrheitlich deutschnational orientiert, lehnte die Novemberrevolution ab und stand der demokratischen Staatsform der Weimarer Republik kritisch bis ablehnend gegenüber. Die führenden Fachvertreter machten darüber hinaus die Kriegsneurotiker für die Niederlage 1918 mitverantwortlich - und schufen so eine psychiatrische Variante der "Dolchstoßlegende". In ihren Augen gab es offenkundige Überschneidungen zwischen den minderwertigen, willensschwachen "Psychopathen" an der Front und den späteren sozialistischen "Umstürzlern" von 1918.
Gerade unter dem Eindruck der Revolutionszeit hielt das psychiatrische Establishment an seiner Sichtweise fest: Kriegsneurosen entstünden nicht durch den Krieg, sondern durch das vermeintlich "minderwertige Menschenmaterial". Da diese Lehrmeinung einen kausalen Zusammenhang zwischen Kriegsverlauf und Ausbruch der seelischen Erkrankung ausschloss, konnte bei den betreffenden Soldaten auch keine Kriegsdienstbeschädigung attestiert werden.
Ein Blick auf die Versorgungspraxis in der Weimarer Republik macht jedoch deutlich, dass die Sozialbehörden sich nicht von den Leitlinien der vermeintlich herrschenden Lehre vereinnahmen ließen. Stephanie Neuner, die im Zuge ihrer Dissertation rund 1600 psychiatrische Gutachten - angefertigt von Ärzten in den Versorgungsämtern der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus - ausgewertet hat, kommt zu dem Schluss, dass die Weimarer Fürsorgebehörden eine Vielzahl von Versorgungsansprüchen in Fällen seelischer Versehrtheit bewilligt hatten.
Bei den Psychiatern der herrschenden Lehre stieß dies auf weitgehendes Unverständnis. Gerade in Fragen der Kriegsdienstentschädigung versuchten die führenden Fachvertreter massiv Einfluss auf die Politik zu nehmen. Und obwohl sie nicht selten als Gutachter für die Versorgungsbehörden oder auch als Berater für das für die Entschädigungspraxis letztendlich verantwortliche Arbeitsministerium fungierten, schafften sie es nicht, dass ihre Lehrmeinung sich mehrheitlich in der Begutachtungspraxis widerspiegelte. Der Weimarer Sozialstatt zeigte sich bis zuletzt gewillt, bei den Veteranen grundsätzlich eine Kriegsdienstbeschädigung anzuerkennen. Dies galt auch für Soldaten, die an einer psychischen Erkrankung litten.

Die eben skizzierte Versorgungspraxis in der Weimarer Republik, also die grundsätzliche Bereitschaft zu einer Kriegsdienstentschädigung, sorgte nicht für Zufriedenheit bei den Veteranen - weder bei den psychisch noch bei den physisch verwundeten Kriegsteilnehmern. Hierin liegt gewissermaßen die Tragik der Weimarer Sozialpolitik. Denn die generelle Bereitschaft zur Entschädigung wurde durch tiefgreifende bürokratische Probleme bei der Abwicklung der Rentenverfahren konterkariert. Die Veteranen zeigten sich verärgert über die schematischen Untersuchungen in den Versorgungsämtern, sie mussten nicht selten monatelang auf ihren Rentenbescheid und somit auch auf die finanzielle Entschädigung warten. Kurz gesagt, sie fühlten sich nicht angemessen gewürdigt. Es herrschte bei den Veteranen zu großen Teilen Enttäuschung und Verbitterung vor. Es lässt sich für die Zeit der Weimarer Republik neben den bürokratischen Schwierigkeiten bei den Versorgungsverfahren im Umgang mit den Soldaten somit ein erinnerungspolitisches Defizit konstatieren.
Den allgemeinen Unmut der Kriegsbeschädigten und -hinterbliebenen über die staatliche Sozialpolitik in der Weimarer Republik hatte sich die NSDAP bereits vor 1933 in diversen Wahlkämpfen zu Nutze gemacht. Dabei griff sie permanent auf den zeitgenössisch gängigen Slogan vom fehlenden "Dank des Vaterlandes" zurück. Die nationalsozialistische Propaganda versprach den Kriegsbeschädigten über verbesserte finanzielle Leistungen hinaus ein tieferes Verständnis für ihre "Opfer" im Kriege und - damit verbunden - die lang ersehnte gesellschaftliche Anerkennung. Als Integrationsfigur baute man Adolf Hitler selbst auf. Hitler wurde zur Ikone der Frontsoldaten stilisiert, der die Bedingungen des Frontalltags kannte und so ehrliche Empathie für die ehemaligen Kameraden aufbringen konnte. Adolf Hitler stellte sein Fronterlebnis und speziell seine Lazarettzeit immerfort als entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben und für seine politische Karriere dar. Dass er selbst infolge eines Gasangriffs in einem Lazarett behandelt wurde, verstärkte sicherlich Hitlers symbolträchtigen Nimbus als "Frontkämpfer", der die Interessen der Kriegsbeschädigten glaubwürdig vertreten konnte. Die anfänglich positive Reaktion der Kriegsbeschädigten auf die nationalsozialistische Versorgungspolitik und insbesondere auf die Person Hitlers spricht für den Erfolg dieser Strategie.

Doch wie sah nun konkret die Versorgungspraxis der Veteranen des Ersten Weltkrieges, insbesondere der psychisch kranken Kriegsteilnehmer aus?

Am 3. Juli 1934 stimmte das Kabinett Hitler der Vorlage des Reichsarbeitsministeriums über die Änderung des "Gesetzes über das Verfahren in Versorgungssachen" zu. Die NS-Führung hatte versprochen, das Kriegsrentensystem im Interesse der Veteranen des Ersten Weltkrieges zu reformieren, doch das neue Gesetz bot für das Gros der ehemaligen Weltkriegsteilnehmer kaum nennenswerte finanzielle Vorteile. Für die Veteranen, die sich gerade vom NS-Regime eine angemessene Anerkennung ihrer Leistungen erhofft hatten, entpuppte sich die neue Gesetzesvorlage als große Enttäuschung.
Die Gesetzesänderung beinhaltete darüber hinaus insbesondere für die psychisch kranken Veteranen eine weitreichende Änderung, wurde doch eine grundlegende Überprüfung der bestehenden Kriegsrentenbescheide festgelegt. Somit konnten bereits während der Weimarer Republik gewährte Renten wieder entzogen werden. Die zentrale Frage dabei war - einmal mehr - , ob das bestehende Leiden der Veteranen ursächlich durch den Kriegsdienst hervorgerufen worden war. Bei den seelisch versehrten Kriegsteilnehmern wurde ein Zusammenhang zwischen Ausbruch der Erkrankung und Wehrdienst von nun an kategorisch ausgeschlossen. Auf diesem Wege wurden zwischen 1934 und 1938 insgesamt rund 16.000 Versorgungsansprüche von psychisch kranken Soldaten aufgehoben. Das Gesetz von 1934 bedeutete somit praktisch das Ende der Versorgungsansprüche von seelisch erkrankten Soldaten.
Die auf der Kriegstagung 1916 beschlossene herrschende Lehre wurde somit im Nationalsozialismus zur ausschließlich akzeptierten und vor allem in die Praxis umgesetzten Lehrmeinung. In der Maßnahme des Rentenentzugs in Fällen psychischer Versehrtheit war der politische Wille der NS-Regierung mit der weit vor 1933 entwickelten Theorie der psychiatrischen Elite zur "Neurosenfrage" nunmehr deckungsgleich. Wie sich am Beispiel der neuen versorgungsrechtlichen Bestimmungen zeigen lässt, verschränkten sich in dieser Frage nicht nur realpolitische und standespolitische Interessen, sondern darüber hinaus auch inhaltlich-ideologische Zielvorstellungen. Die deutschnationalen Psychiater und die nationalsozialistische Politik verband die rassenhygienisch motivierte Zielvorstellung eines leistungsfähigen und homogenen Volksköpers. Diese Zielvorgabe hatte die systematische Entrechtung jener Bürger zur Folge, die aus rassischen, erbbiologischen und weltanschaulichen Gründen aus dem Solidaritätssystem ausgeschlossen wurden. Kriegsteilnehmer, die nach ärztlicher Einschätzung an ausschließlich endogenen psychischen Beschwerden litten, zählten aufgrund ihres vermeintlich degenerativen Erbgutes zu der Gruppe unerwünschter "Volksgenossen", die der "Volksgemeinschaft" nicht mehr länger zu Lasten gehen sollten.

Soviel zur Sozialpolitik im Nationalsozialismus, ich wende mich nun wieder dem Feld der klassischen Militärpsychiatrie zu.

Militärpsychiatrie und Zweiter Weltkrieg

Die 1914 bis 1918 gewonnenen Erfahrungen mit psychisch kranken Soldaten wurden beim Aufbau der Wehrmacht, insbesondere in Bezug auf die Tätigkeit der Heeressanitätsinspektion, umfassend genutzt. Ziel der Militärführung war es, Kriegsneurotiker möglichst schon im Vorfeld zu erkennen und durch eine gezielte Musterung auszusondern - nicht zuletzt, damit sie andere Soldaten gar nicht erst "anstecken" konnten. Zudem wollte man den bereits im Ersten Weltkrieg begonnenen Ausbau der frontnahen Behandlung von Kriegsneurotikern weiter forcieren. War der Soldat erst einmal zur Therapie in der Heimat angelangt, so die vorherrschende Meinung der Militärpsychiater, sei es umso schwieriger, ihn wieder fronttauglich zu therapieren. Schnellstmöglich sollten psychisch auffällige Soldaten einer disziplinarischen Therapie unterzogen werden, um ein Tapferkeits- und Ehrgefühl in ihnen zu erwecken. Anstelle eines unangebrachten Mitleids, wie man es im Ersten Weltkrieg nicht selten beobachtet haben wollte, strebte die Wehrmacht ein rigoroses therapeutisches Durchgreifen im Umgang mit psychisch kranken Soldaten an.
Die Militärpsychiater betrieben am Vorabend des Zweiten Weltkrieges einen beträchtlichen Aufwand, um ein erneutes "Debakel wie 1918" zu verneiden. Doch die militärischen Auseinandersetzungen ab 1939 brachten zunächst eine Überraschung: Das massenhaft erwartete Phänomen der "Kriegszitterer" trat sehr zum Erstaunen der Militärpsychiater nicht auf. Nachdem sich die erste Überraschung gelegt hatte, interpretierten sie das Ausbleiben einer Vielzahl von Neurotikern flugs als einen Erfolg der eigenen Präventionsstrategie. Faktisch kam es in der ersten Phase des Zweiten Weltkrieges jedoch zu einem "Gestaltenwandel der Kriegsneurose". Statt den bekannten Formen der offenen hysterischen Symptome führte der Kriegseinsatz nun in größerer Zahl zu so genannten Organneurosen, die in erster Linie in den Zuständigkeitsbereich der Internisten fiel. Die Führung der Heeressanitätsinspektion reagierte auf die hohe Zahl somatischer bzw. psychosomatischer Erkrankungen, indem sie Sonderbataillone für bestimmte Krankheiten schuf. In diesen Sonderformationen wurden zum Beispiel magenkranke Soldaten zusammengefasst, die mit spezieller Kost versorgt und zuvorderst im rückwärtigen Gebiet mit Wachaufgaben betraut wurden. Erst durch die drastische Verschärfung der Kriegslage mit dem Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941 kam es wieder verstärkt zu den offenen hysterischen Symptomen.
Die Behandlung der psychisch kranken Soldaten fand auch im Zweiten Weltkrieg zwangsläufig in einem Spannungsfeld zwischen individueller Betreuung und militärimmanenten Zwängen statt - erstes Ziel für die Militärpsychiater war nach wie vor die Wiederherstellung der Kampfkraft der Truppe. Zu diesem Zweck wurde ein Drei-Stufen-Modell implementiert. Dieses rekurrierte auf Erfahrungen, die man bereits im Ersten Weltkrieg gemacht hatte, und war keine deutsche Besonderheit. Standen anfangs Ruhe und Erholung, kameradschaftlicher Zuspruch und das Zurücknehmen aus den Kampfhandlungen im Vordergrund, so kamen in einem nächsten Schritt medikamentöse Therapien, v.a. Beruhigungsmittel hinzu. Hatte sich der Zustand des Soldaten bis dahin nicht gebessert, wurden schließlich die eigentlichen psychiatrischen Therapien angewandt.
In Deutschland kamen dabei insbesondere die Kreislauf- und Elektroschocks, aber auch nach wie vor das bereits erwähnte Elektrosuggestivverfahren zum Einsatz. Besondere Bedeutung kam hierbei einer Weiterentwicklung der "Kaufmann-Kur" zu, dem so genannten Pansen, benannt nach dem Beratenden Psychiater des Heeres Friedrich Panse. Bei diesem Verfahren setzte Panse hochdosierten, im Vergleich zur Kaufmann-Kur deutlich stärker aufgeladenen galvanischen Strom zur Behandlung von Kriegsneurotikern ein. An den Diskussionen zwischen den Beratenden Psychiatern über die Freigabe dieser für den Soldaten überaus qualvollen Therapiemethode lässt sich eine zunehmende Radikalisierung im Umgang mit den psychisch kranken Soldaten nachzeichnen. Der verantwortliche Psychiater der gesamten Heeressanitätsinspektion, Otto Wuth, der das "Pansen" zunächst noch als zu brutal ablehnte, genehmigte Ende 1942 schließlich dessen Durchführung. Auf die bis dahin erforderliche Einverständniserklärung des Patienten wurde von diesem Zeitpunkt an ebenfalls verzichtet.
In der Folge machte Panse eifrig Werbung für seine Methode und erreichte, dass zu Beginn des Jahres 1944 seiner Therapieform eine militärpsychiatrische Vormachtstellung zugeschrieben werden kann. Das Pansen wurde bereitwillig von den anderen Psychiatern erst getestet und dann auch verstärkt angewandt. Ein besonderes Testverfahren ist für den Wehrkreis Frankfurt überliefert. Der dortige Beratende Psychiater, Karl Kleist, überprüfte diese Therapiemethode in einem Selbstversuch, denn er jedoch bei einer Stromstärke von 30 Milliampere wegen zu starker Schmerzen abbrach. Bei gewöhnlichen Soldaten wurde eine Stromdosierung von bis zu 300 Miliampere angewandt. Seine Erfahrung am eigenen Leib hinderte Kleist nicht daran, das Pansen als Standardmethode in sein therapeutisches Arsenal aufzunehmen.
Letztlich schreckten die deutschen Militärpsychiater - wie im Ersten Weltkrieg - nicht vor der Anwendung sehr drakonischer Behandlungen zurück. In der deutschen Geschichtsforschung wird auch für den Zweiten Weltkrieg ein Primat dieser drastischen Therapiemethoden konstatiert, deren Gebrauch durch die sich abzeichnende Kriegsniederlage noch zugenommen haben soll. Viele Studien beziehen sich dabei aber auch hier - analog zur Quellenauswertung für die Jahre 1914-1918 - vorwiegend auf gedrucktes Schriftgut, insbesondere auf zeitgenössische Fachpublikationen sowie auf ungedrucktes Archivmaterial. Historische Forschungen zum Behandlungsalltag bilden dagegen bisher auch für den Zweiten Weltkrieg die Ausnahme. Deshalb ist es auch bis zum heutigen Tage schwer, gesicherte Aussagen zur tatsächlichen Behandlungspraxis tätigen zu können.
Bezieht man die Patientenakten jedoch mit ein - wie dies Henning Tümmers in unserem Band getan hat - so ergibt sich ein differenziertes Bild. Am Beispiel des Umgangs des Beratenden Psychiaters und Ordinarius für Psychiatrie Hermann Hoffmann und seiner ihm unterstellten Ärzte im Reservelazarett der Tübinger Nervenklinik zeigtTümmers, dass ein Beratender Psychiater durchaus eigene Schwerpunkte setzen konnte. Die Hoffmannschen Prioritäten entsprachen durchaus nicht primär seinen Dienstverpflichtungen gegenüber dem Militär und dessen Forderungen nach einer möglichst effektiven und schnellen Wiederherstellung psychisch kranker Soldaten. Hoffmann war als Militärmediziner eben nicht zuvorderst Soldat, er war vor allem weiter bestrebt, als Wissenschaftler tätig zu sein. Sein geringes militärmedizinisches Engagement führte in Tübingen dazu, dass die behandelnden Ärzte vor Ort über individuelle Handlungsspielräume verfügten und diese auch nutzten. Dies konnte je nach Arzt und konkreter Situation dazu führen, dass ein Patient von den besonders qualvollen Therapien verschont blieb - oder auch nicht. Zukünftige Forschungen werden prüfen müssen, ob die Psychiatrie in Tübingen mit ihrem Beratenden Psychiater Hoffmann eine Ausnahme bildete oder ob dieses Phänomen auch für die Behandlungspraxis in anderen Reservelazaretten zu beobachten ist.
Und damit bin ich am Ende meines Überblickreferates angelangt. Auf Ihre Kommentare und Nachfragen bin ich sehr gespannt, gebe jetzt aber erst einmal weiter an Ulrike Winkler, die mit den Patientenmorden in Mogilew eine gänzlich andere Soldatenperspektive einnehmen wird.

Vortrag von Ulrike Winkler
Während die "Euthanasie"-Morde im Reichsgebiet mittlerweile sehr gut erforscht sind, ist über das Schicksal von behinderten und psychischen kranken Menschen in den besetzten Gebieten, insbesondere in der ehemaligen Sowjetunion, wenig bekannt. Sie gehören zu den weitgehend vergessenen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Auch in der historischen Forschung finden sie, wenn überhaupt, lediglich marginale Erwähnung.2
Hans-Walter Schmuhl widmete diesen Opfern 1999 einen Aufsatz und analysierte die Beziehung der Wehrmacht zu den Morden an psychisch kranken und geistig behinderten Menschen sowie an Sinti und Roma.
Dabei wies er - wie zuvor schon Henry Friedlander3 - auf die unauflösliche Verschränkung zwischen dem Genozid an den europäischen Juden, der Vernichtung der Sinti und Roma und der systematischen Ermordung psychisch kranker und geistig behinderter Menschen hin.4
Im so genannten "Altreich" lässt sich eine aktive Beteiligung der Wehrmacht an den verschiedenen Formen der nationalsozialistischen "Euthanasie" nicht nachweisen, das Bild ändert sich aber, wenn man den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion in den Blick nimmt. Dieser Krieg richtete sich nicht nur gegen die feindlichen Truppen, sondern auch gegen jene Teile der Zivilbevölkerung, die zuvor als rassisch bzw. erbbiologisch "minderwertig" sowie als ökonomisch "unbrauchbar" definiert worden waren.
Christian Gerlach konnte für die Dienststellen des Generalquartiermeisters des Heeres (General Eduard Wagner) zeigen, dass die Schwierigkeiten bei der Versorgung der Truppen in der Tiefe des eroberten Raumes dadurch gelöst werden sollten, dass die Wehrmacht sich weitestgehend "aus dem Lande" ernähren sollte. Dies bedeutete eine deutliche Einschränkung der Lebensmittelversorgung und damit der Überlebenschancen der Bevölkerung in den besetzten Städten, aber auch auf dem Lande.5
Insofern galten alle Menschen, die nicht für die Zwecke der Besatzungsmacht als Arbeitskräfte rekrutiert werden konnten, als "ernährungsunwürdig", wenn sie nicht ohnehin aus politischen, rassischen und sicherheitspolizeilichen Gründen ermordet werden sollten. Folgerichtig gerieten auch die als "lebensunwertes Leben" und als "unnütze Esser" gekennzeichneten Menschen in den Psychiatrischen Krankenhäusern und in den Behindertenheimen mit der deutschen Besetzung in Lebensgefahr.
Dieter Pohl argumentiert in seiner Studie zur deutschen Militärbesatzung in der Sowjetunion, dass die Liquidierung der Psychiatriepatienten, soweit die Wehrmacht involviert war, keinen systematischen Charakter gehabt hat, sondern von lokalen Gegebenheiten abhing.6 Wenn man die bisher bekannten Aktionen gegen die Psychiatriepatienten in der besetzten Sowjetunion überblickt, so drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass im Zusammenspiel zwischen Wehrmachtdienststellen, Zivilverwaltung und Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD zumindest ein einheitliches Schema das Vorgehen gegen diese Gruppe der Bevölkerung bestimmt hat: zunächst die Einschränkung der Lebensmittelversorgung auf ein Minimum, das letztlich nicht zum Überleben ausreichte, dann die Ermordung des arbeitsunfähigen Teils der Kranken und schließlich die vollständige Liquidierung der Anstalt, um die Gebäude und das Personal für die Zwecke der Besatzungsmacht zu nutzen.
Dies kann nun für die sukzessive Vernichtung der Mogilewer Psychiatriepatienten anhand neu erschlossener Quellen im Detail nachvollzogen werden.
Die ausführlichste und vorliegend erstmals ausgewertete Quellengrundlage zur Rekonstruktion der letzten Tage und Wochen im Leben der Patienten des Psychiatrischen Krankenhauses Mogilew und dessen landwirtschaftlicher Kolonie 1941/42 bilden die Vernehmungsprotokolle7 im Ermittlungsverfahren gegen Georg Frentzel (1914-1979).
Der Fall des ehemaligen Kraftfahrers des Einsatzkommandos VIII der Einsatzgruppe B wurde 1969 vor dem Bezirksgericht Karl-Marx-Stadt verhandelt. Gegen den Angeklagten war u. a. wegen des Verdachts einer Beteiligung an den Morden an Psychiatriepatienten in Mogilew ermittelt worden. Bis dahin hatte Frentzel - nach seiner Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft im September 1949 - vollkommen unbehelligt in der DDR gelebt. Seit 1951 hatte er der SED angehört, niemand hatte ihn nach seiner Kriegsvergangenheit gefragt, und ihm gelang es, erfolgreich seine Verbrechen zu verheimlichen. Nach einem mehr als zwei Jahre dauernden Prozess wurde Frentzel am 10. Dezember 1971 wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ausdrücklich auch wegen der Ermordung der Psychiatriepatienten in Mogilew zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter Aberkennung der staatsbürgerlichen Rechte auf Lebenszeit verurteilt.8 Frentzel verstarb 1979 im Haftkrankenhaus Leipzig.

Was war in Mogilew passiert?
Die knapp 100.000 Einwohner zählende Stadt wurde am 26. Juli 1941 nach heftigen Abwehrkämpfen der Roten Armee von den deutschen Truppen eingenommen.9 Die deutsche Militärverwaltung setzte sofort eine neue Stadtverwaltung mit weitgehend einheimischem Personal ein und sorgte dafür, dass dieses seine Anweisungen und Richtlinien befolgte. Zugleich erreichte ein Vorkommando des Einsatzkommandos VIII der Einsatzgruppe B Mogilew. Diesem so genannten "Mogilew-Trupp" gehörte der damals 27-jährige Georg Frentzel als Fahrer an.
Zunächst war er mit seinen Kameraden daran beteiligt, für das restliche Einsatzkommando VIII "Quartier [zu] machen", was konkret bedeutete - und von Frentzel auch fotografiert wurde10 -, dass die jüdischen BewohnerInnen der Stadt Möbel, Teppiche, Lampen, Decken usw. an die deutschen Stellen abzuliefern hatten. Weißrussische Frauen wurden als Putzfrauen und Küchenhilfen zwangsverpflichtet.11
Rasch geriet auch das 1804 gegründete "Republikkrankenhaus für Geistesgestörte", das sich in einem Vorort von Mogilew befand,12 und die ihm angegliederte landwirtschaftliche Kolonie mit rund 1.500 Menschen ins Visier der Deutschen.13 Da die deutschen Truppen sich aus "dem Lande ernähren" sollten, blieb für die Bevölkerung von Mogilew nur wenig und für die Schwächsten und hier konkret für die Patienten der Anstalt fast gar nichts übrig: Etliche von ihnen verhungerten in den ersten Wochen der deutschen Besatzung.14 Aber auch das Leben der widerstandsfähigeren Patienten war in hohem Maße gefährdet, trugen sie doch - im nationalsozialistischen Sinne - ein zweifaches, manche auch ein dreifaches Stigma. Als so genannte "Geisteskranke" galten sie als "erbkrank", als Bürger der Sowjetunion als "minderwertig" und, sofern sie Angehörige der jüdischen Kultusgemeinde waren, als "Untermenschen". Da viele Patienten nicht arbeiten konnten, galten sie zudem als überflüssige "Ballastexistenzen", die den ernährungs- und wirtschaftspolitischen Zielen der Wehrmacht im Wege standen. Frentzel bestätigte in seinen Aussagen 1970 diese Sichtweise, indem er als Grund für die beabsichtigte Ermordung der Patienten angab, dass "alle diejenigen Menschen, die jüdischer Abstammung waren oder eine andere rassische Abstammung aufwiesen - außer der arischen - [...] als minderwertiges Zeug betrachtet und daher vernichtet worden" seien.15 Und weiter: "Durch ihre Krankheit waren diese Menschen mit ‚ungesunden Erbanlagen' behaftet, somit minderwertig, arbeitsunfähig und stellten außerdem nutzlose Esser dar."16
Nach dem Einmarsch der Deutschen wurde der jüdische Chefarzt des Psychiatrischen Krankenhauses abgesetzt und kurze Zeit später ermordet. Sein Nachfolger wurde Dr. Stepanow, der bis dahin als Arzt der Männerabteilung tätig gewesen war. Schon kurz nach seiner Amtseinführung erhielt der neue Chefarzt von der Stadtverwaltung Mogilew die Anweisung, "den med.[izinischen] Personalstand zu kürzen" und die Patienten zu sichten und zu kategorisieren.17 Die Kategorien, nach denen das Klinikpersonal die Patienten einteilen sollte, verdeutlichen eine Hierarchisierung der Opfer, die sich an Nützlichkeitserwägungen orientierte. Knapp 1.500 Patienten, unter ihnen auch Kinder, wurden in arbeitsunfähige chronisch Kranke, in arbeitsfähige chronisch Kranke sowie in Frischerkrankte, für die Hoffnung auf Heilung bestand, eingeteilt.18 Ebenso verfuhr man mit den Patienten der landwirtschaftlichen Kolonie. Die als arbeitsunfähig Selektierten sollten zu den ersten Mordopfern gehören.

Bevor es jedoch zu der ersten massenhaften Ermordung der Patienten und Patientinnen kam, gab es offenbar so etwas wie einen "Probelauf".19 Der wichtigste Hinweis darauf ist ein Film, der bei Kriegsende in der Berliner Wohnung von Arthur Nebe, dem damaligen Leiter der Einsatzgruppe B, gefunden wurde, und auf dem in einer etwa zweiminütigen Sequenz zu sehen ist, wie Patienten der Mogilewer Klinik zu einer zuvor präparierten Gaskammer gebracht werden.20
Als Nebe am 15. August 1941 zusammen mit Heinrich Himmler die Psychiatrische Kolonie Nowinki bei Minsk besuchte, erhielt er von diesem den Auftrag, die dortigen Patienten zu "erlösen". Für diese Aufgabe war Nebe nicht nur als Leiter der Einsatzgruppe B prädestiniert, sondern auch durch seine einschlägigen Erfahrungen hinsichtlich des Krankenmords im Reichsgebiet: Nach 1939 war er eine wichtige Verbindungsfigur zwischen dem Reichssicherheitshauptamt und der "Euthanasie-Zentrale T4", u. a. zuständig für die Lieferung von Kohlenmonoxydgas an die Tötungsanstalten. Bei seinem Besuch in Minsk wurde er von Himmler angewiesen, neue, weniger belastende Tötungsmethoden zu erproben, da sich die seit Juni praktizierten Massenerschießungen für die Angehörigen der Einsatzgruppen als sehr belastend herausgestellt hatten und es zu Befehlsverweigerungen, Trunkenheitsexzessen und psychischen Belastungsreaktionen gekommen war.21
Nebe wollte seinen Leuten nicht weiterhin zumuten, "Geisteskranke" von Angesicht zu Angesicht zu erschießen, weshalb er den Chemiker Dr. Albert Widmann vom Kriminaltechnischen Institut des Reichskriminalpolizeihauptamtes und den Munitionsexperten Hans Schmidt nach Minsk beorderte, um dort neue Tötungsmethoden auszuprobieren.22
Mitte September 1941 versuchten Nebe, Widmann und Schmidt in einem Wald bei Minsk mindestens 24 Patienten des Minsker Psychiatrischen Krankenhauses mit Sprengstoff zu töten. Die Opfer wurden in einen Unterstand gesperrt, der dann gesprengt wurde. Als einige Kranke, die die Sprengung überlebt hatten, blutüberströmt aus dem Bunker herauskrochen, wurden sie zurückgebracht und mit einer vergrößerten Sprengladung getötet. Der Einsatz von Sprengstoff wurde in der Folge verworfen, da diese Tötungsmethode zu unsicher war und die weit verstreuten Leichenteile eingesammelt werden mussten.
Danach fuhren Nebe und Widmann weiter in das Psychiatrische Krankenhaus in Mogilew.23 Auf Anweisung Widmanns wurde ein Behandlungszimmer zu einer luftdichten Gaskammer umfunktioniert, zugleich wurden zwei Metallstutzen in die Außenwand eingelassen.
Danach musste das Pflegepersonal eine unbekannte Zahl von Patienten und Patientinnen sammeln und zum "Gasraum" führen. Die Menschen gingen folgsam und arglos mit den ihnen vertrauten Pflegerinnen und Pflegern mit, sie winkten sogar noch freundlich in die Kamera, wie das bereits erwähnte Filmdokument zeigt. Die Metallstutzen wurden mit dem Auspuff eines PKWs verbunden, die Auspuffgase in den Raum eingeleitet. Die dort eingesperrten Frauen und Männer starben einen langen, schweren und qualvollen Tod.24
Dieser ersten "Probevergasung" folgte Ende September (möglicherweise auch Anfang Oktober) die Ermordung des größten Teils der Patienten in Mogilew, die so genannte "erste Aktion". Frentzel war aktiv an deren Ermordung beteiligt, er fuhr sein Fahrzeug an die Hauswand und regulierte mit dem Handgashebel den Zufluss des Kohlenmonoxyds in die improvisierte Gaskammer.
Die ineinander verkrallten und beschmutzten Leichen mussten von einem jüdischen Arbeitskommando aus der Gaskammer herausgeholt und auf die bereit stehenden Lastwagen verladen werden. Sie wurden später in der Nähe eines Dorfes von Mogilew verscharrt. Am Ende dieser ersten Mordaktion hielt der Chefdolmetscher des Einsatzkommandos VIII, Prieb, eine Ansprache vor den MitarbeiterInnen der psychiatrischen Klinik. Der Redner erklärte den Zuhörenden, dass "sie [die Deutschen, d. Verf.] solche Vernichtungen auch in Deutschland praktizieren, da die vernichteten Kranken niemandem von Nutzen sind, weder sich selbst, noch anderen, und diese Kategorie Menschen nur zu vernichten ist."25 Damit nahm Prieb zur Legitimation dieser Krankenmorde explizit Bezug auf das im Deutschen Reich durchgeführte "Euthanasie"-Programm.

Sehr wahrscheinlich überlebten um die 300 bis 350 Menschen diese "erste Aktion". Dreieinhalb Monate später, etwa in der zweiten Januarhälfte 1942, erging an den Chefarzt der Klinik der Befehl, nun die restlichen Kranken zur Evakuierung - wie es euphemistisch hieß - abzusondern.26 Dieses Mal sollten die Patienten außerhalb des Anstaltsgeländes erschossen werden. Frentzel und die anderen Mitglieder des Einsatzkommandos VIII bildeten eine Postenkette um die Einrichtung, um eine Flucht der Kranken zu verhindern. Frentzel konnte zwar nicht das ganze Geschehen, wohl aber Einzelheiten des Vorganges beobachten.27 Die Menschen wurden aus den Gebäuden zu den Lastkraftwagen getrieben und auf diese verladen. Obwohl es "äußerst kalt"28 war und viel Schnee lag, wurden die "Kranken ohne Bekleidung zur Hinrichtung gefahren".29
Mit der Ermordung der letzten Patienten der Psychiatrischen Heilanstalt Mogilew vernichteten die deutschen Besatzer nicht nur diejenigen, die sie für "lebensunwert" hielten. Sie zogen auch ganz konkreten Nutzen aus ihren Verbrechen. Bevor Frentzel und die anderen Männer das Gelände verließen, nahmen sie sämtliche Lebensmittel, die noch in der Anstalt lagerten, an sich. Die Ausplünderung der Zivilbevölkerung durch die chronisch unterversorgten deutschen Truppen war - wie bereits erwähnt - üblich und von der militärischen Führung auch fest einkalkuliert worden.30 Frentzel hierzu: "Eine Tatsache war, das wir bei den ‚Aktionen' stets mit darauf bedacht waren, Lebensmittel bei den sowjetischen Bürgern festzustellen. Diese wurden einfach mitgenommen, damit wir unseren ‚Speisezettel' verbessern konnten."31 Die Gebäude der "geräumten" Anstalt wurden in der Folge als Hospital für verwundete deutsche Soldaten genutzt, das medizinische und wirtschaftliche Personal wurde zu großen Teilen übernommen und musste nun für die Deutschen arbeiten.32
Im Laufe des Jahres 1943 rückte die Rote Armee immer weiter nach Westen vor. Bis zur Jahreswende 1943/44 stand sie kurz vor Mogilew. Angesichts dieser Entwicklung versuchten die deutschen Besatzer, die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen. Die Deutschen zwangen Häftlinge des Mogilewer Gefängnisses, die Leichen auszugraben, während andere Häftlinge flache Gruben zu deren Verbrennung ausheben und Holz für einen Scheiterhaufen schlagen mussten. Dann wurden die Exhumierten verbrannt. Die Beseitigung der Leichen gelang indes nicht vollständig, so dass die von den sowjetischen Behörden eingesetzte "Sonderkommission zur Aufdeckung von nationalsozialistischen Verbrechen" im Herbst 1944 auf die Massengräber stieß. In der Folge wurden einige Angehörige des Klinikpersonals, darunter auch der damalige Chefarzt Dr. Stepanow, angeklagt und zu hohen Haftstrafen verurteilt. Einige der damaligen als Zeuginnen geladenen Krankenschwestern traten während des Prozesses gegen Georg Frentzel erneut als Zeuginnen auf.
Ich fasse zusammen:
Die Krankenmorde in den besetzten sowjetischen Gebieten setzten die Politik der "Vernichtung lebensunwerten Lebens" fort, die sich bereits seit 1939 auf dem Reichsgebiet vollzog. Zwischen diesem systematischen Mord an Anstaltspatienten im Rahmen des nationalsozialistischen "Euthanasie"-Programms und dem Vorgehen in den deutsch-besetzten Gebieten gab es nicht nur einen ideologischen Zusammenhang, sondern auch personelle Kontinuitäten. Dies ließ sich am Beispiel Mogilew besonders gut zeigen, da die Krankentötungen dort wie auch in Minsk auf die Initiative von Himmler und Nebe zurückgingen.
Zwar wollte die SS im Deutschen Reich nicht mit dem "Euthanasie"-Programm in Verbindung gebracht werden und die SS-Mitgliedschaft des Personals der sechs Gasmordanstalten auf Reichsgebiet (Hadamar, Brandenburg, Pirna/Sonnenstein, Bernburg, Grafeneck, Hartheim/Österreich) durfte nach außen nicht erkennbar sein. Doch die Krankentötungen in den besetzten Gebieten der Sowjetunion - wie bereits im besetzten Polen seit 1939 - zeigen, dass die SS-Einsatzgruppen die vermeintliche Notwendigkeit einer "Vernichtung lebensunwerten Lebens" grundsätzlich anerkannten und die Ermordung von Anstaltspatienten aktiv durchführten.
Die Morde hatten nicht nur ideologische Zielsetzungen, sondern dienten auch ganz konkreten Interessen. So wurden die Patienten des Republikanischen Psychiatrischen Krankenhauses Mogilew zu Versuchsobjekten für neue Tötungstechnologien.
Und je länger die deutsche Besatzung andauerte und je schwieriger die Beschaffung von Versorgungsgütern für die deutschen Truppen wurde und man für die nachrückenden deutschen Soldaten bzw. für die Verwundeten Nahrungsmittel, Räumlichkeiten, medizinische Güter und Fachpersonal benötigte, um so weniger besaßen die psychisch Kranken in den Augen der deutschen Militär- und Zivilverwaltung eine Existenzberechtigung.
Sie mussten sterben, damit der Krieg weitergeführt werden konnte.

Seit dem 2. Juli 2009 erinnert ein von einer deutsch-belarussischen Bürgerinitiative initiiertes Denkmal an die Ermordung der Patientinnen und Patienten der Mogilewer Anstalt in den Jahren 1941 und 1942. Es steht vor jenem Gebäude, in dem sich die Gaskammer befand, und ist - soweit wir wissen - das erste und bislang einzige auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, das an diese vergessene Opfergruppe erinnert.

Illustrationen zum Vortrag Winkler/Rauh.

i

Krieg und Psychiatrie 1914-1945

Psychiatrischer Begutachtungs- und Behandlungsalltag


Conrad Felixmüller, Soldat im Irrenhaus 1918
ii

Behandlungsalltag im Ersten Weltkrieg

iii

Militärpsychiater als Maschinengewehre hinter der Front?

iv

Versorgungspraxis in der Weimarer Republik


  • Anerkennung einer Kriegsdienstbeschädigung auch bei psychisch kranken Soldaten


  • Diskrepanz zwischen sozialpolitischen Leistung und Wahrnehmung durch die Veteranen
v

Versorgungspraxis im Nationalsozialismus


  • Die NSDAP machten sich früh die Unzufriedenheit der Veteranen zu Nutze


  • NS leitete seinen Gründungsmythos aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs her
vi

Versorgungspraxis im Nationalsozialismus


  • Die herrschende psychiatrische Lehre wird zum Dogma


  • Psychisch kranke Veteranen werden von Kriegsrente ausgeschlossen
vii

Friedrich Panse

Militärpsychiatrie im Zweiten Weltkrieg


  • Zunächst Gestaltenwandel der Kriegsneurose


  • Das Pansen als Reaktion auf die Zunahme der klassischen Kriegszitterer

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