Dr. Fritz Petrick/Rügen: Kollaboration und Widerstand in Norwegen.
Der Norsk-Hydro-Konzern.


Zu ihrer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung am 14. November 2006 in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand hatte die Berliner Gesellschaft für Faschismus- und Weltkriegsforschung den auf Rügen ansässigen Historiker Dr. Fritz Petrick eingeladen. Fritz Petrick ist ein durch eine große Anzahl von Publikationen ausgewiesener Kenner der Geschichte Nordeuropas, insbesondere der norwegischen Geschichte und der deutschen Politik gegenüber Norwegen während der deutschen Okkupation des Landes. In seinem Vortrag stellte er neue Erkenntnisse und neue norwegische Literatur über den Norsk-Hydro-Konzern sowie über die deutschen Pläne zur Gewinnung von schwerem Wasser und Aluminium in Norwegen vor. Diese Probleme ordnete er in den größeren Zusammenhang der besonders in Norwegen noch heftig diskutierten Fragen der Kollaboration mit den deutschen Besatzern ein.
Zusammengefaßt führte Fritz Petrick aus:
Eine wissenschaftliche Darstellung seiner Geschichte in drei jeweils an die 500 Seiten umfassenden und hervorragend illustrierten Bänden, verfasst von ausgewiesenen Experten, leistete sich aus gegebenem Anlass Norwegens größter Industriekonzern: die vor 100 Jahren in Oslo als "Norsk Hydroelektrisk Kvælstofaktieselskab" (Norwegische Hydroelektrische Stickstoff-AG) gegründete "Hydro". Dass "Norsk" und "Kvælstof" im modisch verknappten Firmennamen nicht mehr erscheinen, erklärt sich aus unterdessen erfolgten Wandlungen. Zum einen ist die einst mit Unterstützung durch die Stockholms Enskilda Bank (Wallenberg) ganz überwiegend mit französischem Kapital gegründete AG seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der Tat ein norwegisches Weltklasseunternehmen, an dem das Königreich Norwegen selbst zu über 40 % beteiligt ist. Zum anderen liegt der Schwerpunkt ihrer Betätigung heute auf dem Gebiet der Erdöl- und Erdgasförderung (im norwegischen Kontinentalschelf) sowie der Aluminiumproduktion. Das Stickstoffgebiet ist 2004 aus dem Konzern ausgegliedert worden. Die Titel der drei Bände verdeutlichen die Entwicklung:
Band 1 Flaggskip i fremmed eie (Flaggschiff in fremder Hand). Hydro 1905-1945, verfasst von Ketil Gjølme Andersen;
Band 2 Nasjonal kontroll og industriell fornyelse (Nationale Kontrolle und industrielle Ereuerung). Hydro 1945-1977, verfasst von Finn Erhard Johannessen, Asle Rønning und Pål Thonstad Sandvik;
Band 3 Oljerikdommer og internasjonal exspansjon (Ölreichtümer und internationale Expansion). Hydro 1977-2005, verfasst von Einar Lie.
Auf die Gesamtdarstellung ist hier nicht weiter einzugehen, sondern nur auf die drei letzten Kapitel (10-12) des 1. Bandes, in denen auf 90 von insgesamt 440 Textseiten die Zeit der deutschen Besetzung Norwegens und insbesondere das Verhältnis des Konzerns zur Besatzungsmacht behandelt werden, wobei der Begriff Widerstand sicherlich zu recht nur selten Verwendung findet und der Begriff Kollaboration überhaupt nicht vorkommt. Nun ist es in Norwegen üblich, von Kollaboration, d.h. landesverräterischer Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht, fast nur dann zu sprechen, wenn es um Vidkun Quisling und dessen übrigens gar nicht so wenige Anhänger geht. In den hier aufgegriffenen Kapiteln ist von Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht und auch von Landesverrat durchaus die Rede, zumal damit korrespondierende Sachverhalte gerade im "Fall Hydro" durchaus kritischer als bisher betrachtet werden. Unter den bezeichnenden Überschriften "Befürchtungen und Verlockungen" (Frykt og fristelser), "Im Schlund der Hölle" (I malstrømmen) und "Aufarbeitung" (Oppgjør) geht es in ihnen inhaltlich um die beiden den Platz des Hydro-Konzerns in der deutschen Kriegführung bestimmenden – und miteinander verquickten – Themen "Schweres Wasser" und "Leichtmetallausbau Norwegen".

Heutzutage ist die Bedeutung des "Schweren Wassers" für die Entwicklung der Kerntechnik und damit der Atombombe wohl mindestens ebenso bekannt wie der oft dargestellte und insbesondere verfilmte "Kampf um das Schwere Wasser". In den populär gewordenen Darstellungen wird – wenn überhaupt, dann nur am Rande – darauf hingewiesen, dass der kühne Anschlag, den die "Helden von Telemark" in der Nacht vom 26. auf den 27. Februar 1943 auf die Schweres Wasser produzierende Elektrolyse in Vemork bei Rjukan verübten, einer Anlage des Hydro-Konzerns galt. Von vornherein anders ist das lediglich in dem 1966 in der DDR erschienenen Roman "Geheimsache Norsk Hydro" von Hasso Grabner (1911-1976).
Zur Sache selbst ist zu bemerken, dass Schweres Wasser, das in der genannten Elektrolyse zunächst nur in geringen Mengen – 500 g täglich – als Nebenprodukt anfiel, vom Hydro-Konzern seit 1934 zum Verkauf angeboten wurde. Bis Kriegsbeginn 1939 sollen allerdings nur 40 kg verkauft worden sein. Dann stieg das Interesse sprunghaft an, wobei die als Hauptaktionär zu 65 % am Hydro-Kapital beteiligte Banque de Paris et des Pays Bas für Lieferungen nach Frankreich und der IG-Farben-Konzern für Lieferungen nach Deutschland plädierten. Der deutsche Konzern verfügte seit der Übernahme des Haber-Bosch-Verfahrens zur Stickstoffgewinnung durch Hydro im Jahre 1927 immerhin über einen Anteil von 25 % am Aktienkapital des norwegischen Konzerns, mit dem er überdies durch das Internationale Stickstoff-Syndikat verbunden war. Nach der Besetzung Norwegens durch die Wehrmacht im April 1940 verdreifachte Hydro die Schwerwasserproduktion, ohne den rapide wachsenden deutschen Forderungen nachzukommen zu können. Um die Produktion nachgerade exorbitant zu steigern, brachten die zur Forschungsgruppe um Werner Heisenberg zählenden Physiker Karl Wirtz, Paul Harteck und Hans Eduard Suess in Vemork ein effektiveres Verfahren zur Anwendung. Mitte 1941 verpflichtete sich Hydro, 4.500 kg jährlich zu liefern, und zwar an das Heereswaffenamt Berlin-Dahlem. Als Hydro Ende Anfang 1942 aufgefordert wurde, die Kosten für die Errichtung einer Schwerwasseranlage in Deutschland zu berechnen, bestand der Technische Direktor Christopher Kahrs Kielland darauf, die Produktion des – auch innerhalb des Konzerns – für außerordentlich kriegswichtig gehaltenen Schweren Wassers in Norwegen fortzusetzen. Und das steht, wie Gjølme Andersen konstatiert, im Widerspruch zu der gerade diesbezüglich gegenüber der zuständigen Behörde (Direktorat für feindliches Eigentum) am 24. September 1948 erhobenen Behauptung, "dass Hydro kein wirtschaftliches Interesse am Verkauf nach Deutschland gehabt hätte" (S. 413).
Innerhalb des Konzerns misstraute vor allem der technische Leiter in Vemork, Jomar Brun, allen deutschen Versicherungen, nach denen das Schwere Wasser ausschließlich für zivile Zwecke genutzt würde. Er hatte mit dem Physikprofessor Leif Tronstad von der Technischen Hochschule Trondheim Verbindung aufgenommen, der unterdessen nach England geflüchtet war, um dort den einleitend erwähnten – und hier nicht näher zu beschreibenden – Anschlag vorzubereiten. Im November 1942 folgte er ihm, um sich daran zu beteiligen.
Die erfolgreiche Filmstory "Heroes of Telemark" (mit Kirk Douglas und Ulla Jacobsson) von 1965 und andere populäre Darstellungen unterschlagen allerdings, dass die Anlage in Vemork nur beschädigt wurde und schon drei Monate später – mit erweiterter Kapazität – wieder in Betrieb genommen werden konnte. – Der für die Schwerwasserlieferung nach Deutschland und den Ausbau der Anlage in Vemork entscheidende Hydro-Generaldirektor Axel Aubert (1873-1943) hatte sein Amt bereits Anfang 1942 dem bisherigen Leiter der Rechtsabteilung, Bjarne Eriksen, überlassen. Und der erklärte am 20. November 1946 im Zusammenhang mit gegen die Konzernführung gerichteten Ermittlungen wegen Landesverrats, er hätte seinerzeit "den falschen Eindruck gewonnen, dass London die Schwerwasserproduktion zwar verhindern wollte, aber nicht um jeden Preis" (S. 416).
Stärkere Bedenken bekam er erst, nachdem die US-Luftwaffe am 24. Juli 1943 die im Rahmen des "Leichtmetallausbau Norwegen" in Herøen errichteten Anlagen des eigenen Konzerns in Schutt und Asche gelegt und er selbst kurz zuvor Kontakt zu Vertretern des Widerstands innerhalb des bereits im Januar 1943 von Quisling gleichgeschalteten Industrieverbands aufgenommen hatten. Wie er bei einer Aussprache im Reichskommissariat, der zivilen Besatzungsbehörde, am 4. August 1943 erklärte, wollte er die von den Alliierten für kriegswichtig gehaltene und von weiteren Angriffen bedrohte Schwerwasserproduktion stilllegen. Daraufhin wurde er am 16. August 1943 im Zuge der vom Wehrmachtbefehlshaber Norwegen angeordneten Aktion zusammen mit insgesamt 1.100 norwegischen Offizieren verhaftet und wie diese auch als Kriegsgefangner nach Schildberg (Ostrzeszów) verbracht. Obwohl Eriksen Reserveoffizier war, besteht nach Gjølme Andersen "kaum ein Zweifel daran, dass der eigentliche Grund dafür in seiner Haltung zur Schwerwasserproduktion lag", und er zitiert in diesem Zusammenhang (S. 422 f.) einen Tagebucheintrag Leif Tronstads vom 26. August 1943: "Der neue (Generaldirektor) hat sich mit seinem jetzigen Verhalten fein gerettet."
Die US-Luftwaffe bombardierte das Kraftwerk Vemork und die Stickstofffabrik Rjukan erst am 16. November 1943. Und als die Elektrolyse danach demontiert wurde, um zusammen mit dem bis dato noch produzierten Schwerwasservorrat nach Deutschland verbracht zu werden, gelang es den "Helden von Telemark", die damit beladene Transportfähre zu versenken.

Nach Eriksens Verhaftung hatte zunächst der alte Generaldirektor noch einmal die Leitung des Hydro-Konzerns übernommen und bis zu seinem Tode am 17. Dezember 1943 ausgeübt. Aubert stand nicht nur für die Schwerwasserproduktion in Vemork, sondern vor allem für die Beteiligung des Hydro-Konzerns am "Leichtmetallausbau Norwegen". Dieses Projekt sah die Verdoppelung der Zahl der dortigen Aluminiumhütten (auf zehn) und die Verachtfachung der Aluminiumgewinnung (auf 245.000 jato) für die deutsche Luftrüstung vor, wobei der Hydro-Konzern in Herøen Produktionsstätten für Aluminium und Tonerde (nach einem Hydro-Verfahren auf Basis von Labradorit statt von in Norwegen nicht vorhandenem Bauxit), für Kryolith (einem für die Aluminiumproduktion erforderlichen Hilfsstoff) und Magnesium (nach einem Verfahren des IG-Farben-Konzerns) sowie für Chlor und Ätznatron errichten sollte. Im Gegensatz zu meiner Auffassung, wonach die Initiative für die Errichtung der Chlor- und Ätznatronanlage vom IG-Farben-Konzern ausging, meint Gjølme Andersen, "es sei wenig wahrscheinlich, dass die Initiative von dort kam" (S. 379), entsprach sie doch eher der von Aubert – als Generaldirektor seit 1926 – verfolgten Diversifikationsstrategie für den Hydro-Konzern und der damit verbundenen Absicht, auch die Produktion von Kunststoffen (PVC u.ä.) aufzunehmen. Dass an den neuen Werken in Herøen außer der IG auch die vom Reichsluftfahrtministerium für den "Leichtmetallausbau Norwgen" insgesamt ins Leben gerufene Nordische Aluminum-AG (die später als Hansa Leichtmetall-AG firmierte) beteiligt sein sollte, nahm er billigend in Kauf. Und als für Herøen die Nordisk Lettmetall AS gegründet wurde, an deren Aktienkapital sich Hydro, IG und Hansa/Nordag zu je einem Drittel (15 Mio. Kronen) beteiligten, argumentierte er am 8. Mai 1941 gegenüber dem Hydro-Vorstand (S. 380 f.):
"Wie meinen Vorstandskollegen bekannt ist, habe ich mehrere Jahre lang an Plänen für die Errichtung neuer Fabriken zur Herstellung anderer Produkte als unserem heutigen Hauptprodukt Stickstoff gearbeitet; in erster Linie an Plänen für den Bau einer Magnesium- und/oder Aluminiumfabrik, gleichermaßen zur Herstellung von Tonerde aus norwegischem Labradorit. Ich zweifle deshalb nicht, dass es für unsere Gesellschaft vorteilhaft ist, wenn sich jetzt die Gelegenheit bietet, diese Pläne in Zusammenarbeit mit der IG Farbenindustrie und der Nordischen Aluminium AG durchzuführen."
Angesichts der von Gjølme Andersen angeführten Fakten erweisen sich die nach dem Kriege abgegebenen Erklärungen der Hydro-Führung, sie – und namentlich auch Aubert – hätten befürchtet, von der Besatzungsmacht unter Verwaltung gestellt zu werden, und mit einem kurzen Krieg gerechnet, für den die in Herøen zu errichtenden wertvollen Anlagen für den Feind keinerlei Bedeutung mehr erlangt hätten, als falsch. Als belastende Fakten erwähnt er überdies die zur Finanzierung der Nordisk Lettmetall AS durchgeführte Kapitalerhöhung der Hydro vom 30. Juni 1941 und den Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter auf den Baustellen der neuen Gesellschaft.
Bekanntlich wurden bei der Erhöhung des Aktienkapitals (von rd. 100 Mio. auf rd. 150 Mio. Kronen) die französischen Aktionäre widerrechtlich von der Zeichnung der neuen Aktien ausgeschlossen und so auf einen Schlag ihrer Mehrheitsbeteiligung beraubt. Ihr Anteil am Aktienkapital des Hydro-Konzerns sank auf knapp 34 %, während der deutsche auf knapp 54 % und der norwegische von 2,6 auf immerhin 7,7 % stiegen. An dieser Transaktion, die zweifellos unter deutscher Regie erfolgte, scheint die Hydro-Führung als "Regieassistent" (S. 389) mitgewirkt und dem aus führenden Männern der norwegischen Wirtschafts- und Finanzwelt bestehenden Oslo-Konsortium zu beträchtlichem Gewinn verholfen zu haben. Die versuchten ihre lukrative Beteiligung an der Finanzierung der Nordisk Lettmetall AS mit dem Argument zu rechtfertigen, dass andernfalls die Deutschen diese Aktien auch noch genommen hätten.
Auf den Baustellen der Nordisk Lettmetall AS kamen 1942/43 etwa 1.000-1.500 ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, deren Schicksal nur in wenigen Einzelfällen bekannt geworden ist. Diesbezügliche Quellen sind kaum vorhanden, Untersuchungen nicht erfolgt. Sie sind vom Hydro-Konzern zwar nicht angefordert, wohl aber ausgebeutet worden. Und für Gjølme Andersen hat sich das Unternehmen, "das vor dem Kriege Vorreiter einer modernen, norwegischen Marktwirtschaft gewesen war, während des Krieges der Logik der primitiven Sklavenwirtschaft der Nazis angepasst" (S. 432).
Nach dem amerikanischen Luftangriff auf Herøen wollte Aubert die zerstörten Anlagen sogleich wieder aufbauen, was angesichts der veränderten Kriegslage – nach Stalingrad! – für die Besatzungsmacht allerdings nicht mehr in Frage kommen konnte. Während Rüstungsminister Albert Speer und Reichskommissar Josef Terboven die Einstellung der Arbeiten anordneten, verwiesen die involvierten Vertreter des IG-Farben-Konzerns auf die Nachkriegszeit und eine dann der Nordisk Lettmetall AS vom Deutschen Reich zu leistende Entschädigung.
Anfang 1944 übernahm Jens Bache-Wiig, der bereits 1940 vor allzu enger Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht gewarnt und 1941 den ihm angebotenen Eintritt in den Vorstand der Nordisk Lettmetall AS empört abgelehnt hatte, den vertretungsweise die Funktion des Generaldirektors, und damit fiel der Hydro-Konzern, der Quislings Partei am 22. Oktober 1940 noch durch eine Zahlung von 25.000 Kronen unterstützt hatte, "sicher auf die richtige Seite" (ebenda): Im März 1945 stellte sie der Widerstandsbewegung 4 Mio. Kronen zur Verfügung. Nichtsdestoweniger resümiert Gjølme Andersen, dass die moralische Integrität des Konzerns nicht mehr intakt war.
Ermittlungen wegen Landesverrats gegen den Hydro-Konzern und einzelne seiner Direktoren verliefen im Sande. Ein Gerichtsverfahren und eine damit verbundene Skandalisierung seines Verhältnisses zur Besatzungsmacht wollten sowohl der Konzern selbst als auch der Staat vermeiden, der den deutschen Kapitalanteil beschlagnahmt und in seinen Besitz überführt hatte. Dabei ergaben die Ermittlungen eindeutig, dass der Konzern keinem Zwang ausgesetzt worden, sondern freiwillig auf die deutschen Pläne eingegangen war. Aubert hätte wohl nein sagen können, aber nicht wollen. Und Aubert war tot. Wäre es zu einem Landesverratsprozess gegen den Hydro-Konzern gekommen, so hätte er in der damaligen Situation, wie Gjølme Andersen einräumt, möglicherweise sogar mit einem Freispruch geendet: "Aber das Urteil der Geschichte muss ein anderes sein" (S. 444). – Und dem ist nichts hinzuzufügen.

In der angeregten Diskussion wurden insbesondere zwei Fragenkomplexe näher ausgeleuchtet:

  1. 1.Im Mittelpunkt der Diskussionsbeiträge stand das Bemühen um die Abklärung des Problems, ob die Verantwortlichen des Norsk-Hydro-Konzerns in vollem Bewusstsein mit dem Naziregime kollaboriert haben und ob sie auch Widerstand geleistet haben. Die Diskutanten kamen zu dem Ergebnis, dass die Darstellung des Vorstandsmitgliedes John Eriksohn auf dem Kriegsverbrecherprozeß in Nürnberg, zwischen IG Farben (dem damaligen Besitzer eines großen Aktienpaketes von Norsk Hydro) und dem norwegischen Konzernvorstandsmitgliedern habe es nur rein kommerzielle Beziehungen gegeben, wohl schwerlich der Wahrheit entsprach. Immerhin war der Konzern, wie der Vortragende schon abschließend festgestellt hatte, freiwillig mit großem Interesse auf die deutschen Produktions- und Lieferwünsche eingegangen.
  2. 2.Des weiteren wurde besprochen, wie der Konzern zu von NS-Deutschland requirierten Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen als Arbeitskräfte gelangte. Der Vortragende stellte in diesem Zusammenhang auf eine Anfrage hin fest, daß die heutige Konzernführung die Entschädigung der heute noch lebenden Arbeitskräfte ablehnt.



Sibylle Hinze

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